Homocystein: Werte, Ursachen und was die Forschung wirklich zeigt

Das Wichtigste in Kürze

Homocystein ist eine Aminosäure, die der Körper beim Verwerten von Proteinen bildet und anschliessend mithilfe der Vitamine B9, B12 und B6 recycelt. Ein erhöhter Wert ist ein Marker für das Herz-Kreislauf-Risiko – doch ihn mit Vitaminen zu senken, hat nicht gezeigt, dass man Herzinfarkte verhindert. Das einzige klare Signal betrifft den Schlaganfall, vor allem dort, wo die Folatzufuhr niedrig ist. Es ist keine Krankheit an sich.

Wichtige Fakten

Eine recycelte Aminosäure Der Körper bildet Homocystein aus Methionin (aus Proteinen) und recycelt es. Die Vitamine B9, B12 und B6 sind die Zahnräder dieses Recyclings.
Normalwert: 5 bis 15 µmol/l Darüber spricht man von Hyperhomocysteinämie. Die genauen Werte schwanken leicht von Labor zu Labor.
Ein Marker, keine Krankheit Ein erhöhter Wert signalisiert oft einen Mangel oder ein anderes Problem; er ist nicht bei allen eine eigenständig zu behandelnde Krankheit.
Eine einzige zugelassene Angabe In der Schweiz wie in Europa: Die Vitamine B9 und B12 «tragen zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei». Dieser Artikel ist informativ.

Die wichtigsten Punkte

  • Die Vitamine B9 (Folsäure) und B12 senken Homocystein zuverlässig, um etwa ein Viertel.
  • Doch den Wert zu senken hat in den grossen Studien Herzinfarkte und Sterblichkeit nicht verringert.
  • Beim Schlaganfall gibt es einen Nutzen, doch er bleibt mässig – vor allem dort, wo die Folatzufuhr niedrig ist.
  • Ursachen eines erhöhten Werts: B-Vitaminmangel, Gen MTHFR, Nieren, Schilddrüse, Alter, Rauchen, Kaffee.
  • Der MTHFR-Gentest wird nicht routinemässig empfohlen.
Illustration des Blutkreislaufs und der Energie im menschlichen Körper, im Zusammenhang mit der Rolle von Homocystein
Homocystein wird mit einer einfachen Blutentnahme gemessen; sein Wert hängt vor allem von den Vitaminen B9, B12 und B6 ab (Illustration).

Homocystein taucht oft in Blutbefunden und Gesundheitsartikeln auf, fast immer mit derselben Warnung: «ein erhöhter Wert schädigt Ihre Arterien». Die Geschichte ist differenzierter – und nützlicher zu kennen. Homocystein ist eine Aminosäure, die Ihr Körper ständig selbst bildet, einfach indem er die Proteine aus Ihrer Ernährung verwertet.

Drei Dinge sind solide belegt: Die Vitamine B9, B12 und B6 sind nötig, um es zu recyceln[5], ein erhöhter Wert geht mit einem etwas höheren Herz-Kreislauf-Risiko einher[2], und – das überrascht mehr – ihn zu senken schützt das Herz nicht so, wie man lange glaubte[6]. Dieser Leitfaden trennt das Belegte vom Unbelegten, mit Quellen. Vorab: Kein Nahrungsergänzungsmittel behandelt, verhütet oder heilt eine Krankheit.

Was ist Homocystein?

Woher kommt Homocystein?

Homocystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure – einer der kleinen Bausteine der Proteine, hier mit einem Schwefelatom. Der Körper bildet es laufend aus Methionin, einer essenziellen Aminosäure aus proteinreichen Lebensmitteln (Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte). Es ist also ein normales Zwischenprodukt des Stoffwechsels: an sich nicht «giftig», und jeder Mensch hat welches im Blut, genauer im Plasma[1]. Im Labor wird das Gesamt-Homocystein (Abkürzung Hcy) gemessen; ein erhöhter Homocysteinspiegel macht meist keine spürbaren Symptome und fällt erst im Bluttest auf.

Wozu dienen die Vitamine B9, B12 und B6?

Sie sind die Zahnräder, die Homocystein recyceln. Normalerweise wandelt der Körper es sofort in zwei Richtungen um: Entweder recycelt er es zu Methionin – mithilfe der Folate (Vitamin B9) und der Vitamin B12, die ihm eine kleine «Methylgruppe» übertragen –, oder er baut es ab, indem er es in Cystein umwandelt, mithilfe von Vitamin B6[1]. Der erste Weg speist den Methylierungszyklus – und damit die Bildung von SAM (S-Adenosylmethionin), dem wichtigsten «Methylgruppen-Spender» des Körpers –, einen Grundmechanismus in jeder Zelle. Fehlen diese Vitamine, läuft das Recycling schlecht und Homocystein staut sich an. Genau deshalb «tragen Folat und Vitamin B12 zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei» – die einzige von der schweizerischen und europäischen Regelung anerkannte Formulierung.

Warum spricht man so viel darüber?

Weil ein erhöhter Wert lange als Ursache von Herzkrankheiten dargestellt wurde. Heute weiss man: Er ist vor allem ein Marker – er begleitet andere Situationen (Vitaminmangel, Alterung, Nierenprobleme), mehr als dass er sie direkt verursacht[1]. Das ist der Punkt, den die meisten Artikel schlecht zusammenfassen, und wir kommen weiter unten darauf zurück.

Normaler und erhöhter Wert: wie liest man einen Befund?

Was ist ein «normaler» Wert?

Bei Erwachsenen gilt meist ein Homocysteinwert zwischen 5 und 15 µmol/l (nüchtern gemessen) als normal. Darüber spricht man von Hyperhomocysteinämie. Diese Referenzbereiche schwanken leicht von Labor zu Labor: Massgebend ist immer die Spanne auf Ihrem Befund, und ihre Deutung gehört in ärztliche Hände.

5–15 µmol/l: die üblicherweise als normal geltende Spanne bei Erwachsenen. Unter 15 kein besonderer Alarm. Darüber sucht die Ärztin oder der Arzt eine Ursache. Die genauen Schwellen hängen vom Labor ab. Richtwert: übliche Referenzwerte (nüchtern; auf Ihrem Laborbefund zu prüfen)

Was bedeuten «leicht», «mittel» oder «schwer»?

Oberhalb der Norm teilt man die Hyperhomocysteinämie in drei Stufen ein. Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher steckt eine bestimmte medizinische Ursache dahinter.

Stufe Wert (µmol/l) Was es in der Praxis bedeutet
Normal 5 bis 15 Kein besonderer Alarm.
Leicht 15 bis 30 Die häufigste Form, oft durch B-Vitaminmangel oder den Lebensstil bedingt.
Mittel 30 bis 100 Seltener; lässt eine medizinische Ursache suchen (Nieren, Medikamente, Schilddrüse …).
Schwer über 100 Selten; deutet auf eine genetische Ursache (etwa einen Cystathionin-Beta-Synthase-Mangel), die in spezialisierte Hände gehört.

Sollte man sein Homocystein bestimmen lassen?

Nicht routinemässig. Konkret ist es eine einfache Blutuntersuchung, mit einer nüchternen Blutentnahme – aber es ist keine systematische Vorsorgeuntersuchung. Eine Ärztin oder ein Arzt ordnet sie in bestimmten Fällen an: zur Ergänzung der Suche nach einem Mangel an Vitamin B12 oder Folat, bei einem in jungen Jahren oder ohne klaren Grund aufgetretenen Schlaganfall, oder zur Abklärung seltener Stoffwechselkrankheiten. Bei einer gesunden Person bringt eine Messung «auf Verdacht» wenig nützliche Information.

Warum steigt das Homocystein?

Ein erhöhter Wert hat fast immer eine Erklärung – oft an der Schnittstelle von Genen und Umwelt, also vor allem der Ernährung. Die Ursachen lassen sich in einige Gruppen einteilen, von der banalsten bis zur seltensten.

Der Mangel an B-Vitaminen (die häufigste Ursache)

Das ist mit Abstand die erste Spur. Wenn die Zufuhr an Folat (B9), Vitamin B12 oder, seltener, B6 ungenügend ist, verlangsamt sich das Recycling und der Wert steigt[1]. Der Zusammenhang gilt in beide Richtungen: Deshalb kann eine Homocystein-Bestimmung der Ärztin oder dem Arzt auch helfen, einen sonst unbemerkten Vitamin-B12- oder Folatmangel aufzuspüren[11].

Das Gen MTHFR

Das MTHFR (für Methylentetrahydrofolat-Reduktase) ist ein Gen, das ein Schlüsselenzym des Folat-Recyclings bildet. Eine sehr verbreitete Variante – eine sogenannte Mutation, genannt 677TT – macht dieses Enzym etwas weniger wirksam: Trägerinnen und Träger haben tendenziell ein höheres Homocystein, vor allem wenn ihre Folatzufuhr niedrig ist[3]. Gute Nachricht: Es ist eine häufige Besonderheit und meist ohne praktische Folgen.

Der MTHFR-Test ist keine sinnvolle Routineuntersuchung

Fachgesellschaften der medizinischen Genetik empfehlen, den MTHFR-Gentest nicht im üblichen Check anzufordern: Sein klinischer Nutzen gilt als minim, und der früher vermutete Zusammenhang zwischen dieser Variante und Blutgerinnseln (Thromboseneigung) oder Herzkrankheiten wurde nicht bestätigt[4]. Worauf es ankommt, ist die Folatzufuhr, nicht der Genotyp.

Nieren, Schilddrüse, Alter und Lebensstil

Weitere Faktoren spielen mit. Die Nieren scheiden Homocystein aus: Eine Niereninsuffizienz lässt es steigen. Eine verlangsamte Schilddrüse (Schilddrüsenunterfunktion) ebenfalls. Dazu kommen das Alter, das männliche Geschlecht, gewisse Medikamente (Methotrexat, bestimmte Antiepileptika) und Gewohnheiten wie Rauchen und starker Kaffeekonsum[1].

Homocystein, Herz und Gehirn: was die Forschung wirklich zeigt

Hier liegt der Kern – und der am schlechtesten zusammengefasste Teil. Man muss zwei sehr verschiedene Fragen trennen: «Ist ein erhöhter Wert mit mehr Krankheiten assoziiert?» (ja, mässig) und «Schützt es, ihn zu senken?» (viel weniger als erhofft). Homocystein ist keine Krankheit, und kein Ergänzungsmittel behandelt irgendetwas.

Ist ein erhöhter Wert schlecht fürs Herz?

Er ist mit einem etwas höheren Risiko assoziiert. Grosse Auswertungen aus Dutzenden Studien zeigten, dass ein tieferes Homocystein mit weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen (kardiovaskulären Erkrankungen) einhergeht – doch der Effekt ist mässig: Etwa ein Viertel weniger Homocystein entspricht rund 11 % weniger koronarem Risiko (koronare Herzkrankheit, KHK) und 19 % weniger Schlaganfall, vor allem bei bereits gefährdeten Personen[2]. Und «assoziiert» heisst nicht «verursacht»: Der Zusammenhang kann andere Faktoren widerspiegeln[1]. Man nennt Homocystein oft einen Risikofaktor, doch die vorgeschlagenen Mechanismen für eine mögliche Schädigung der Gefässe (Arteriosklerose) – Schwächung ihrer Wand, oxidativer Stress – bleiben hypothetisch[1].

Schützt das Senken von Homocystein das Herz?

Hier kommt die Überraschung. Als man die Idee wirklich prüfte – indem man B-Vitamine zur Senkung des Homocysteins gab und die Teilnehmenden über Jahre verfolgte –, blieb der erhoffte Nutzen fürs Herz aus. Die grosse Cochrane-Übersicht, die 15 Studien und über 71’000 Teilnehmende bündelt, findet keine Verringerung der Herzinfarkte und der Sterblichkeit[6]. Ältere Auswertungen deuteten schon in dieselbe Richtung[7]. Anders gesagt: den Wert senken, ja; Herzinfarkte verhindern, nein.

71’000 Teilnehmende: kein Effekt auf den Herzinfarkt. Über 15 Studien und mehr als 71’000 Personen findet die Cochrane-Übersicht keine Verringerung der Herzinfarkte oder der Sterblichkeit durch das Senken des Homocysteins mit B-Vitaminen. Quelle: Cochrane-Übersicht der Studien zur Homocystein-Senkung (2017)

Und der Schlaganfall?

Das ist der einzige Bereich, in dem sich ein Nutzen abzeichnet, und er bleibt mässig. Dieselbe Cochrane-Übersicht beobachtet eine kleine Verringerung der Schlaganfälle[6]. Vor allem ist der Nutzen dort deutlicher, wo die Folatzufuhr der Bevölkerung niedrig ist: Eine grosse chinesische Studie zeigte, dass die Ergänzung der Behandlung bluthochdruckkranker Erwachsener mit Folsäure das Risiko eines ersten Schlaganfalls um rund ein Fünftel senkte[8], und Auswertungen bestätigen einen stärkeren Effekt in Ländern ohne mit Folsäure angereichertes Mehl[9].

−21 % erste Schlaganfälle in einer grossen Folsäure-Studie. Bei bluthochdruckkranken Erwachsenen aus einem Land ohne angereichertes Mehl senkte zusätzliche Folsäure das Risiko eines ersten Schlaganfalls um rund ein Fünftel – ohne Effekt hingegen auf den Herzinfarkt. Quelle: CSPPT-Studie, Folsäure und erster Schlaganfall, JAMA (2015)

Warum das die Schweiz betrifft

Anders als die USA oder Kanada reichert die Schweiz ihr Mehl nicht systematisch mit Folsäure an. Die Folatzufuhr hängt hier also stärker von der Ernährung ab – ein Argument mehr, auf den Teller zu achten (grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte) statt auf einen Zielwert.

Und fürs Gehirn und das Gedächtnis?

Das Signal ist interessant, aber weit von einem Beweis entfernt. Bei älteren Personen mit leichtem Gedächtnisrückgang und erhöhtem Homocystein zeigte eine Studie, dass hohe Dosen von B-Vitaminen das natürliche Schrumpfen des Gehirns verlangsamten (von 1,1 % auf 0,8 % pro Jahr), umso mehr, je höher der Ausgangswert war[10][11]. Das heisst nicht, dass B-Vitamine «Demenz verhüten» oder eine Alzheimer-Demenz bzw. andere neurodegenerative Krankheiten heilen: Es ist eine Forschungsspur, zu bestätigen, bei genau umschriebenen Personen.

Was die Forschung zeigt, Frage für Frage

Frage Was die Forschung zeigt Evidenzgrad
Ist ein erhöhter Wert mit Herzkrankheiten assoziiert? Ja, aber mässig, und vor allem bei bereits gefährdeten Personen. Assoziation (Beobachtung)
Verhindert das Senken des Werts Herzinfarkte? Nein: kein Nutzen bei Herzinfarkt oder Sterblichkeit in den grossen Studien. Belegt (negative Studien)
Verhindert das Senken des Werts Schlaganfälle? Mässiger Nutzen, deutlicher dort, wo die Folatzufuhr niedrig ist. Mässig
Schützen B-Vitamine das Gehirn? Spur: verlangsamtes Schrumpfen des Gehirns bei gefährdeten älteren Personen. Zu bestätigendes Signal
Verursacht Homocystein Krebs, Angst, Zwangsstörungen? Kein belegter ursächlicher Zusammenhang; kein erhöhtes Krebsrisiko unter B-Vitaminen. Nicht belegt

Medizinischer Kontext, keine Produktempfehlung

Die Ergebnisse zu Herz, Schlaganfall oder Gedächtnis betreffen ärztlich betreute Personen, oft mit den Vitaminen zusätzlich zu einer Behandlung. Sie bedeuten nicht, dass ein Ergänzungsmittel bei einer gesunden Person «das Herz» oder «das Gehirn» schützt. Kein Ergänzungsmittel ersetzt eine verordnete Behandlung; wenden Sie sich bei Fragen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Wie senkt man seinen Homocysteinwert?

Wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt einen erhöhten Wert festgestellt hat, ist die gute Nachricht, dass er sich fast immer einfach und auf natürliche Weise korrigieren lässt. Das Ziel ist nicht der Wert an sich, sondern der allfällige Mangel oder die Ursache, die er offenlegt.

Die B-Vitamine, der wirksamste Hebel

Die Folsäure (B9) ist mit Abstand am wirksamsten. Eine grosse Auswertung klinischer Studien zeigte, dass eine Tagesdosis von rund 0,8 mg Folsäure den Homocysteinwert um etwa ein Viertel senkt; Vitamin B12 senkt ihn zusätzlich etwas, während Vitamin B6 allein keinen klaren Effekt auf den Wert hat[5]. Der Effekt zeigt sich in einigen Wochen – nicht in einigen Tagen.

≈ 25 % Senkung des Werts mit Folsäure. In den Studien senkt eine Tagesdosis Folsäure das Homocystein um etwa ein Viertel, mit einem kleinen Zusatzeffekt von Vitamin B12. Vitamin B6 allein verändert den Wert nicht. Quelle: Metaanalyse der Studien zu Folsäure und Homocystein, Am J Clin Nutr (2005)

Was sollte man essen?

Setzen Sie auf Folat und B12, nicht auf ein «Wunder»-Lebensmittel. Folat (B9) steckt reichlich in grünem Blattgemüse (Spinat, Brokkoli), Hülsenfrüchten (Linsen, Kichererbsen), Zitrusfrüchten und Nüssen. Vitamin B12 stammt aus tierischen Produkten (Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte). Weniger Rauchen und weniger Kaffee helfen ebenfalls, da dies Faktoren sind, die den Wert steigen lassen[1]. Keine Pflanze und kein einzelnes Lebensmittel «schmilzt» Homocystein im Alleingang.

Ist ein Ergänzungsmittel sinnvoll?

Nur wenn es einen echten Mangel ausgleicht. Bei einer Person, die sich ausgewogen ernährt und keinen Mangel hat, bringt die Einnahme von B-Vitaminen zur «Senkung» eines bereits normalen Werts keinen belegten Gesundheitsnutzen[6]. Wenn ein Ergänzungsmittel angezeigt ist, geht es um die Vitamine B9, B12 und B6 – und besonders Vitamin B12 verdient Aufmerksamkeit bei älteren Personen oder bei einer Ernährung mit wenig tierischen Produkten. Fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Apotheke, besonders bei laufender Behandlung.

Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?

Ein leicht über der Norm liegender Wert ist meist unbedenklich und lässt sich über die Ernährung korrigieren. Einige Situationen erfordern jedoch ärztlichen Rat:

  • !Ein mittlerer oder schwerer Wert (über 30 µmol/l): Eine medizinische Ursache muss gesucht werden – suchen Sie ärztlichen Rat.
  • !Unter Behandlung (Methotrexat, Antiepileptika usw.): Ergänzen Sie nichts ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
  • !Schwangerschaft oder Kinderwunsch: Der Folatbedarf ist besonders – Folsäure wird offiziell vor und zu Beginn der Schwangerschaft empfohlen, namentlich für den Neuralrohrverschluss des Embryos. Folgen Sie dem ärztlichen Rat.
  • !Bekannte Nieren- oder Schilddrüsenerkrankung: Hier ist die zugrunde liegende Ursache zu behandeln.
Wichtig. Dieser Artikel dient ausschliesslich der Information. B-Vitamine sind Nahrungsergänzungsmittel: Kein Lebensmittel und kein Ergänzungsmittel verhütet, behandelt oder heilt eine Krankheit. Ein erhöhter Homocysteinwert gehört ärztlich gedeutet, mit Suche nach der Ursache. Beginnen Sie keine Ergänzung und ändern Sie keine laufende Behandlung ohne den Rat Ihrer Ärztin, Ihres Arztes oder Ihrer Apotheke.

Häufige Fragen

Warum eine Blutuntersuchung auf Homocystein?

Diese Bestimmung ist keine Routineuntersuchung. Eine Ärztin oder ein Arzt ordnet sie in bestimmten Situationen an: um einen Mangel an Vitamin B12 oder Folat einzugrenzen, bei einem in jungen Jahren oder ohne klaren Grund aufgetretenen Schlaganfall, oder zur Abklärung seltener Stoffwechselkrankheiten. Ausserhalb dieser Fälle bringt eine Messung bei einer gesunden Person wenig – das beurteilt die Ärztin oder der Arzt.

Was ist ein normaler Homocysteinwert?

Bei Erwachsenen gilt meist ein Wert zwischen 5 und 15 µmol/l (nüchtern) als normal. Darüber spricht man von Hyperhomocysteinämie: leicht (15 bis 30), mittel (30 bis 100) oder schwer (über 100 µmol/l). Die Referenzwerte schwanken leicht von Labor zu Labor – massgebend sind die Werte auf Ihrem Befund, und ihre Deutung gehört in fachkundige Hände.

Wie senkt man seinen Homocysteinwert schnell?

Der wirksamste Hebel ist die Zufuhr von B-Vitaminen, vor allem Folsäure (B9), ergänzt durch B12. In Studien senken diese Vitamine den Wert in einigen Wochen um etwa ein Viertel. Auch das Beheben eines Mangels, folatreiche Lebensmittel sowie weniger Kaffee und Rauchen helfen. «Schnell» heisst nicht in zwei Tagen: Rechnen Sie eher mit einigen Wochen, und fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Welches ist das beste Ergänzungsmittel zur Senkung von Homocystein?

Es sind die am Stoffwechsel beteiligten B-Vitamine: Folsäure (B9), Vitamin B12 und Vitamin B6. Folat und Vitamin B12 tragen zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei – das ist eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Ein Ergänzungsmittel ist allerdings nur sinnvoll, wenn es einen echten Mangel ausgleicht; es ersetzt weder eine ausgewogene Ernährung noch fachlichen Rat.

Senken Eier den Homocysteinwert?

Eier liefern Vitamin B12, Folat sowie Betain und Cholin, alle nützlich für den Homocystein-Stoffwechsel – aber kein einzelnes Lebensmittel senkt den Wert im Alleingang. Entscheidend ist die Ausgewogenheit der gesamten Ernährung: genug Folat (grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte), B12 (tierische Produkte) und B6. Sehen Sie Eier als ein Puzzleteil, nicht als Heilmittel.

Senkt Magnesium das Homocystein?

Magnesium ist kein anerkanntes Mittel zur Senkung von Homocystein und besitzt dafür keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Die belegten Hebel bleiben die B-Vitamine (Folat, B12, B6). Magnesium hat andere nützliche Aufgaben im Körper, aber nicht diese. Bei einem erhöhten Wert sprechen Sie besser mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, statt auf ein ungezieltes Ergänzungsmittel zu setzen.

Kann eine Hashimoto-Erkrankung das Homocystein erhöhen?

Indirekt ja: Es ist die Schilddrüsenunterfunktion – oft durch eine Hashimoto-Thyreoiditis verursacht –, die zu den medizinischen Ursachen eines erhöhten Homocysteins zählt. Wenn die Schilddrüse zu langsam arbeitet, kann der Wert steigen, und er normalisiert sich tendenziell, wenn die Unterfunktion behandelt wird. Bei erhöhtem Homocystein kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt unter anderem Schilddrüse und B-Vitamine prüfen.

Hängt ein erhöhter Homocysteinwert mit Angst oder Zwangsstörungen zusammen?

Die Forschung hat solche Zusammenhänge untersucht, doch es handelt sich um Assoziationen, nicht um Belege, dass ein erhöhter Wert Angst oder Zwangsstörungen verursacht. Homocystein ist weder ein diagnostischer Test noch ein Behandlungsziel für diese Störungen. Wer betroffen ist, sollte eine Fachperson für psychische Gesundheit aufsuchen – nicht einen Homocystein-Bluttest.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Homocystein und Krebs?

Es gibt keinen belegten ursächlichen Zusammenhang. Studien beobachten zwar mitunter höhere Homocysteinwerte bei bestimmten Krankheiten, doch Korrelation ist nicht Ursache. Beruhigend: Die grosse Cochrane-Übersicht fand keine Erhöhung des Krebsrisikos bei Personen, die B-Vitamine zur Senkung ihres Homocysteins einnahmen. Wenden Sie sich bei Sorgen an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Quellen und Referenzen (auf PubMed geprüft)

11 Quellen
  1. De Bree A. et al. (2002). Homocysteine determinants and the risk of coronary heart disease. — Pharmacological Reviews — Übersichtsarbeit; Determinanten des Werts (Folat, Kaffee, Rauchen, MTHFR, Nieren, Schilddrüse, Medikamente)
  2. Homocysteine Studies Collaboration (2002). Homocysteine and risk of ischemic heart disease and stroke: a meta-analysis. — JAMA — 30 Studien; mässige Assoziation zwischen Homocystein und Herz-Kreislauf-Risiko
  3. Klerk M. et al. (2002). MTHFR 677C→T polymorphism and risk of coronary heart disease: a meta-analysis. — JAMA — das Genotyp 677TT erhöht das Homocystein, vor allem bei niedrigem Folat
  4. Hickey S.E. et al. (2013). ACMG Practice Guideline: lack of evidence for MTHFR polymorphism testing. — Genetics in Medicine — der MTHFR-Routinetest wird nicht empfohlen (minimer klinischer Nutzen)
  5. Homocysteine Lowering Trialists‘ Collaboration (2005). Dose-dependent effects of folic acid on blood concentrations of homocysteine. — American Journal of Clinical Nutrition — Metaanalyse; Folsäure senkt den Wert um etwa 25 %, B12 um weitere rund 7 %
  6. Martí-Carvajal A.J. et al. (2017). Homocysteine-lowering interventions for preventing cardiovascular events. — Cochrane Database of Systematic Reviews — 15 Studien, 71’422 Teilnehmende; kein Effekt auf Herzinfarkt oder Sterblichkeit, kleine Senkung des Schlaganfalls, kein erhöhtes Krebsrisiko
  7. Clarke R. et al. (2007). Effects of B-vitamins on plasma homocysteine and risk of cardiovascular disease and dementia. — Current Opinion in Clinical Nutrition and Metabolic Care — frühe Metaanalyse: kein Effekt auf koronare Herzkrankheit oder Schlaganfall
  8. Huo Y. et al. (2015). Folic acid therapy in primary prevention of stroke among adults with hypertension in China (CSPPT). — JAMA — randomisierte Studie, 20’702 Bluthochdruckkranke; Folsäure senkt das Risiko eines ersten Schlaganfalls um rund 21 %
  9. Tian T. et al. (2017). Folic acid supplementation for stroke prevention in patients with cardiovascular disease. — American Journal of the Medical Sciences — Metaanalyse; Effekt auf den Schlaganfall stärker in Regionen ohne angereichertes Mehl
  10. Smith A.D. et al. (2010). Homocysteine-lowering by B vitamins slows accelerated brain atrophy in mild cognitive impairment (VITACOG). — PLoS One — randomisierte Studie; B-Vitamine und verlangsamtes Schrumpfen des Gehirns bei gefährdeten älteren Personen
  11. de Jager C.A. (2014). Critical levels of brain atrophy associated with homocysteine and cognitive decline. — Neurobiology of Aging — Übersichtsarbeit; Homocystein, B12-Mangel und kognitiver Abbau

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