Unter Ozempic oder Wegovy: Warum Proteine unverzichtbar werden

Das Wichtigste in Kürze

Ozempic und Wegovy lassen rasch abnehmen – doch ein Teil der verlorenen Kilos ist Muskel, nicht Fett: oft rund ein Viertel des verlorenen Gewichts, manchmal mehr. Die Proteine helfen, diesen Muskel zu erhalten. Die Falle: Die Behandlung dämpft den Appetit genau in dem Moment, in dem man mehr davon essen müsste. Die Lösung lässt sich in drei Ideen fassen: 1,2 bis 1,6 g/kg Protein pro Tag anstreben, sie zuerst essen (bei Bedarf in flüssiger Form wie Whey) und sich bewegen – der Muskel bleibt nicht ohne ein Minimum an Krafttraining erhalten. Nichts davon ersetzt die Begleitung durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Proteinreicher Teller (Eier, Fisch, Skyr), der die unter Ozempic oder Wegovy zu bevorzugende Ernährung veranschaulicht
Unter dem Appetitzügler zählt jeder Bissen umso mehr: Die Proteine haben Vorrang (Illustration).

Ozempic und Wegovy – zwei Namen für dasselbe Molekül, das Semaglutid – haben die Ausgangslage beim Gewichtsverlust verändert. Sie gehören zur Familie der GLP-1-Agonisten (für glucagon-like peptide-1) und tragen denselben Wirkstoff Semaglutid. Diese Medikamente – im Alltag oft «Abnehmspritzen» genannt – wurden zunächst zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas entwickelt und dann im Gewichtsmanagement eingesetzt, neben verwandten Wirkstoffen wie Tirzepatid (Mounjaro) oder Liraglutid (Saxenda). Ozempic ist dabei für den Typ-2-Diabetes zugelassen, Wegovy für das Gewichtsmanagement – beide enthalten denselben Wirkstoff, doch über den Unterschied in Anwendung und Dosierung entscheidet die Ärztin oder der Arzt. In der grossen Referenzstudie (STEP-1-Studie) verloren die mit Semaglutid behandelten Personen in etwas mehr als einem Jahr im Durchschnitt fast 15 % ihres Gewichts[1]. Doch hinter dieser spektakulären Zahl verbirgt sich eine Frage, die die Waage nie stellt: Diese Kilos, woher stammen sie genau?

Ein Teil ist nicht Fett, sondern Muskel. Und genau aus diesem Grund werden Proteine, lange in die Ecke der Sportlerinnen und Sportler verbannt, zu einem zentralen Thema für jede Person unter dieser Art von Behandlung. Dieser Artikel erklärt, warum, wie viel man anstreben sollte und vor allem, wie man Muskelabbau vermeidet, wenn das Medikament den Appetit dämpft. Eine Klarstellung vorweg: Ozempic und Wegovy sind Medikamente, die von einer Ärztin oder einem Arzt verschrieben und im Rahmen einer Gesamtbetreuung begleitet werden. Nichts von dem, was folgt, ersetzt diesen Rat, und kein Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verhütet, behandelt oder heilt eine Krankheit.

Was die Waage nicht zeigt: Ein Teil der Kilos ist Muskel

Abnehmen heisst nicht nur Fett verlieren

Wenn man Gewicht verliert – mit welcher Methode auch immer -, verliert man nie nur Fett. Ein Teil fettfreier Masse (der Muskel, aber auch Wasser und andere Gewebe) geht mit verloren. Bei den GLP-1-Agonisten ist der Verlust so rasch und so bedeutend, dass dieser Muskelanteil unmöglich zu ignorieren ist. Die Studien, die die Körperzusammensetzung messen und nicht nur das Gewicht, sind in diesem Punkt eindeutig[2].

Wie viel genau? Die Analysen laufen auf eine Grössenordnung hinaus: Die fettfreie Masse macht in der Regel 15 bis 40 % der verlorenen Kilos unter diesen Behandlungen aus[3][6]. Eine Übersichtsarbeit fasst die Herausforderung mit einer prägnanten Formel zusammen: Der beobachtete Muskelverlust kann einem Jahrzehnt oder mehr an muskulärer Alterung entsprechen, verdichtet auf wenige Monate[4].

15-40 % der verlorenen Kilos sind fettfreie Masse, nicht Fett. Das ist die Spanne, die aus den Studien zur Körperzusammensetzung unter GLP-1-Agonist hervorgeht. Die wirksamsten Behandlungen zum Abnehmen sind auch jene, die den Muskel am wenigsten schonen. Quelle: Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse, Metabolism (2024); Übersichtsarbeit, Current Nutrition Reports (2025)

Eine ehrliche Nuance: Nicht alles ist «gefährdeter Muskel»

Es wäre unredlich zu dramatisieren. Ein Teil dieses Rückgangs der fettfreien Masse ist zu erwarten: Ein leichterer Körper braucht etwas weniger Muskel, um sich zu tragen, und einige bildgebende Messungen deuten darauf hin, dass die Qualität des verbleibenden Muskels sich sogar verbessern kann[5]. Fachleute sprechen von einer teilweise «adaptiven» Reaktion, und die Debatte über ihre tatsächlichen Folgen ist noch nicht ganz abgeschlossen[3]. Mit anderen Worten: Beim Abnehmen etwas fettfreie Masse zu verlieren, ist nicht anormal.

Das eigentliche Risiko betrifft vor allem bereits fragile Menschen: Seniorinnen und Senioren, jene mit wenig Muskel zu Beginn oder solche, die sehr rasch Gewicht verlieren. Bei ihnen kann ein zu ausgeprägter Muskelschwund schwächen, Kraft und Selbstständigkeit beeinträchtigen[6]. Genau hier machen die einfachen Hebel – genug Protein essen, sich bewegen – den Unterschied. Und da man nicht im Voraus weiss, zu welcher Kategorie man gehört, schützt man seinen Muskel besser vorsorglich.

Warum dieser Muskel mehr zählt, als man denkt

Der Muskel, Motor des Stoffwechsels

Der Muskel ist nicht nur eine Frage der Ästhetik oder der Kraft. Er ist ein energetisch kostspieliges Gewebe: In Ruhe verbraucht er mehr Kalorien als das Fett. Muskel zu verlieren heisst also, seinen Grundenergieverbrauch zu senken – die Zahl der Kalorien, die man verbrennt, ohne etwas zu tun. Dieses Detail hat eine direkte und oft übersehene Folge: weniger Muskel heute macht die Gewichtszunahme morgen leichter, ein Punkt, auf den wir weiter unten zurückkommen.

Kraft, Selbstständigkeit und Knochengesundheit

Über den Stoffwechsel hinaus trägt der Muskel die Funktion: von einem Stuhl aufstehen, eine Treppe hochsteigen, seine Einkäufe tragen. Ihn zu erhalten heisst, seine Selbstständigkeit zu schützen, besonders im fortgeschrittenen Alter. Die Proteine spielen hier eine anerkannte und geregelte Rolle: Sie tragen zur Erhaltung von Muskelmasse bei und tragen zur Erhaltung normaler Knochen bei – zwei in der Schweiz und in der Europäischen Union zugelassene gesundheitsbezogene Angaben. Der rasche Gewichtsverlust fordert auch den Knochen; eine angemessene Proteinzufuhr gehört zu den Stützen.

Die Kernidee

Das Ziel einer Adipositasbehandlung ist nicht nur, eine Zahl auf der Waage zu senken: Es ist, Fett zu verlieren und dabei möglichst viel Muskel zu behalten. Die Proteine und die körperliche Aktivität sind die beiden Werkzeuge, die den Verlust in die richtige Richtung lenken.

Wie viel Protein, und vor allem wie es verteilen

Die richtige Menge: rund 1,2 bis 1,6 g pro Kilo

Die Forschung zum Gewichtsverlust gibt einen klaren Richtwert: Eine höhere Proteinzufuhr (mehr Eiweiss) hilft, die fettfreie Masse zu erhalten während einer Diät, verglichen mit einer Standardzufuhr[7][14]. Besonders bei älteren Menschen strebt man besser das obere Ende der Spanne an, um mehr Muskel zu behalten und mehr Fett zu verlieren[8]. In der Praxis liegt das übliche Ziel bei rund 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag – so lässt sich der erhöhte Proteinbedarf unter Behandlung decken[7].

25-30 g hochwertiges Protein pro Mahlzeit. Das ist die Menge, die den Muskelaufbau bei jeder Aufnahme am besten anregt. Unter etwa 20 g ist das Signal schwächer – daher der Vorteil, die Proteine über den Tag zu verteilen, statt alles auf den Abend zu konzentrieren. Quelle: Übersichtsarbeit, American Journal of Clinical Nutrition (2015); Übersichtsarbeit, Current Opinion in Clinical Nutrition (2009)

Die Qualität, nicht nur die Menge: die Geschichte des Leucins

Nicht alle Gramm Protein sind gleichwertig. Um den Muskelaufbau zu starten, braucht der Körper ein präzises Signal, getragen von einer Aminosäure: dem Leucin. Bei älteren Menschen wird dieses Signal schwächer – die Muskeln werden weniger empfindlich, ein Phänomen, das man «anabole Resistenz» nennt[9]. Dann braucht es eine ausreichende Leucin-Dosis, rund 2,5 bis 3 Gramm pro Mahlzeit, um dieselbe Reaktion wie bei einem jungen Erwachsenen zu erzielen.

Genau hier zählt die Quelle. Arbeiten zeigen, dass es tatsächlich der Leucin-Gehalt ist, mehr als die Gesamtmenge an Protein, der die Muskelreaktion bestimmt[10]. Die tierischen Proteine – Eier, Milchprodukte, Fleisch, Fisch – und vor allem das Whey (Molkenprotein) sind besonders reich daran. Die pflanzlichen Proteine (Linsen, Kichererbsen, Tofu) enthalten weniger davon; sie funktionieren, verlangen aber grössere Portionen oder gut durchdachte Kombinationen. Unter dem Appetitzügler, wo das Volumen gerade das Problem ist, wird diese Leucin-Dichte zu einem konkreten Vorteil.

Verteilen statt konzentrieren

Ein letzter nützlicher Reflex: seine Proteine verteilen. Drei Aufnahmen von rund 25 bis 30 Gramm über den Tag verteilt regen den Muskel besser an als eine einzige grosse Zufuhr am Abend[9]. Das ist eine gute Nachricht unter Behandlung: Kleine Proteinportionen, leichter zu schlucken, wenn der Appetit reduziert ist, fügen sich natürlich in diese Logik ein.

Das Sättigungsparadox: seine Menge ohne Hunger erreichen

Das Medikament, das Ihre Proteine sabotiert

Hier ist die Schwierigkeit, die Ratgeberlisten oft verschweigen. Die GLP-1-Agonisten wirken, indem sie die Magenentleerung verlangsamen – das Tempo, in dem sich der Magen leert – und den Appetit dämpfen: Das ist der ganze Nutzen zum Abnehmen. Doch die logische Nebenwirkung ist, dass man viel weniger isst – und damit spontan viel weniger Protein, genau in dem Moment, in dem man proportional mehr davon bräuchte. Ein kleiner, rasch gefüllter Magen, Übelkeit zu Beginn der Behandlung, manchmal eine plötzliche Abneigung gegen Fleisch: Alles drängt dazu, das wichtigste Lebensmittel zu reduzieren. Das ist das zentrale Paradox dieser Behandlungen.

Die Gegenmassnahme Nr. 1: die Proteine zuerst

Die wirksamste Regel lässt sich in einem Satz sagen: die Proteine zuerst essen. Solange der Hunger da ist – oft ganz zu Beginn der Mahlzeit -, greift man die Proteinquelle (Ei, Fisch, Geflügel, Skyr) vor den Beilagen und dem Gemüse an. So ist das, was gegessen wurde, wenn man bei der Hälfte des Tellers aufhört, gerade das, was am meisten zählt. Es ist eine einfache Änderung der Reihenfolge, ohne zusätzlichen Aufwand, und es ist wahrscheinlich der lohnendste Ratschlag dieses ganzen Artikels.

Die Gegenmassnahme Nr. 2: dicht und flüssig

Danach zwei Prinzipien. Erstens proteinreiche und wenig voluminöse Lebensmittel bevorzugen: ein Skyr oder ein griechischer Joghurt, ein geschlagener Quark, zwei Eier, eine Scheibe Lachs, Pouletbrust liefern viel Protein auf wenig Raum – die proteinreichen Milchprodukte sind hier wertvolle Verbündete. Zweitens, wenn Festes schwerfällt, an Flüssiges denken: ein Glas Milch, ein Trinkjoghurt oder eine Portion angerührtes Whey (ein Proteinshake) liefern eine schöne Proteindosis ohne den «voller Magen»-Effekt einer echten Mahlzeit. Die Proteine erhalten nebenbei auch das Sättigungsgefühl – ein Kreislauf zum Guten statt eines Kampfes[14].

Eine bei übergewichtigen Frauen durchgeführte Studie veranschaulicht die Logik gut: Unter einer stark kalorienreduzierten Diät half eine Zufuhr, die Whey und Leucin kombinierte, die fettfreie Masse zu erhalten und die Kraft zu verbessern[11]. Das ist nicht magisch und ersetzt keine echten Mahlzeiten – aber es zeigt den Nutzen hochwertiger Proteine, wenn die Gesamtmengen reduziert sind.

Übelkeit und Abneigungen: nicht erzwingen

Zu Beginn der Behandlung oder nach einer Dosiserhöhung sind Übelkeit, Verstopfung und Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel (oft Fleisch) häufig und meist vorübergehend. Sich nicht widerwillig zu zwingen, ist unnötig: Besser setzt man auf die am besten verträglichen Proteine des Moments (Milchprodukte, Eier, weisser Fisch, flüssige Proteine) und meldet der Ärztin oder dem Arzt Verdauungsbeschwerden, die anhalten. Fettreiche oder stark gewürzte Speisen können Übelkeit und Reflux verstärken; kleinere Portionen und ruhiges Essen helfen oft.

Proteine allein reichen nicht: bewegen, um den Muskel zu behalten

Das fehlende Signal

Hier ist die andere Hälfte der Gleichung, jene, die man fast immer vergisst. Die Proteine liefern den Rohstoff des Muskels, aber sie reichen nicht aus, um den Körper dazu zu bringen, ihn zu behalten. Es fehlt ein mechanisches Signal: der Gebrauch. Ohne Beanspruchung neigt der Organismus im Kaloriendefizit dazu, den Muskel zu opfern, den er für «unnütz» hält. Es ist die körperliche Aktivität, und vor allem das Krafttraining (Muskelaufbau, Übungen mit Widerstand), die dem Körper sagt, dieses Gewebe zu bewahren.

Die Fachleute auf diesem Gebiet sind eindeutig: Einen Gewichtsverlust unter GLP-1-Agonist mit einem Widerstandstraining zu verbinden, ist die beste bekannte Art, die Muskelmasse zu erhalten und dabei Fett zu verlieren[4][6]. Die Proteine und die Bewegung stehen nicht im Gegensatz: Sie ergänzen sich, und das eine ohne das andere ergibt ein unausgewogenes Resultat.

2 bis 3× pro Woche: die anzustrebende Häufigkeit des Krafttrainings. Zwei bis drei wöchentliche Einheiten Muskelarbeit, auch anfangs bescheidene, reichen aus, um dem Körper das Signal zu senden, seinen Muskel zu behalten. Keine Leistungen nötig: Die Regelmässigkeit geht vor der Intensität. Quelle: narrative Übersichtsarbeit, Diabetes Care (2024)

Einfach anfangen

Man braucht weder ein Fitnessstudio noch schwere Gewichte, um zu beginnen. Sich von einem Stuhl erheben und wieder hinsetzen, Treppen hochsteigen, Taschen tragen, Bänder oder das eigene Körpergewicht nutzen: All das zählt. Das Wesentliche ist, die grossen Muskelgruppen (Beine, Rücken, Brust) regelmässig zu beanspruchen. Bei Zweifeln, was für Ihre Verfassung geeignet ist, kann eine Ärztin oder ein Arzt, eine Physiotherapeutin oder ein Coach einen sicheren Ausgangspunkt vorschlagen.

In der Praxis: das Danach vorbereiten und seine Mahlzeiten zusammenstellen

Der Aspekt, den man vergisst: der Muskel, Ihre Versicherung für später

Ein selten angesprochener Punkt verdient es, erwähnt zu werden. Diese Behandlungen werden nicht immer lebenslang eingenommen, und das Absetzen hat eine bekannte Folge: Das Gewicht steigt oft wieder. In der Verlängerung der grossen Studie zum Semaglutid hatten die Teilnehmenden ein Jahr nach dem Absetzen rund zwei Drittel des verlorenen Gewichts wieder zugenommen[12]. Nun ist das, was zurückkehrt, vor allem Fett, während der verlorene Muskel sich nicht von allein wieder aufbaut. Die Muskelmasse während der Behandlung erhalten zu haben – Proteine plus Aktivität – hilft, diese Phase besser zu durchstehen und die Wiederzunahme zu begrenzen.

Das ist nicht nur eine Hypothese: In einer Studie behielten die Personen, die nach dem Absetzen der Behandlung eine körperliche Aktivität aufrechterhalten hatten, ihren Gewichtsverlust deutlich besser bei als jene, die sich auf das alleinige Medikament verlassen hatten[13]. Der Muskel und die Gewohnheit, sich zu bewegen, sind gewissermassen Ihre metabolische Versicherung. Jede Entscheidung, eine Behandlung abzusetzen oder zu ändern, wird hingegen mit der Ärztin oder dem Arzt getroffen, die sie begleiten.

Der Reflex «eine Proteinquelle bei jeder Aufnahme»

Konkret lässt sich die Strategie in einer Gewohnheit zusammenfassen: sich bei jeder Nahrungsaufnahme zu fragen «Wo sind meine Proteine?». Ein Frühstück ohne Protein (Gebäck, Saft, stark verarbeitete Produkte) ist eine verpasste Gelegenheit; es durch einen Skyr, Eier oder ein Milchprodukt zu ersetzen, verändert den Tag – im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung. Hier sind Anhaltspunkte für nährstoffdichte, proteinreiche Lebensmittel, leicht einzubauen selbst mit wenig Appetit.

Lebensmittel Übliche Portion Protein (ungefähr) Warum es unter Behandlung nützlich ist
Skyr / geschlagener Quark 150 g 15-17 g Dicht, mild, leicht zu schlucken; ideal zum Frühstück oder als Zwischenmahlzeit.
Pouletbrust 100 g 25-30 g Sehr proteinreich; zuerst auf dem Teller zu essen.
Fisch (Kabeljau, Lachs) 100 g 20-25 g Oft gut verträglich, wenn Fleisch anwidert; zart und verdaulich.
Eier 2 Eier 12-13 g Gute Grundlage zum Ergänzen; zwei Eier decken nur eine halbe Mahlzeit.
Milch / Trinkjoghurt 250 ml 8-9 g Flüssige Form: geht, wenn Festes blockiert.
Angerührtes Whey 1 Portion (≈30 g) 20-24 g Flüssig, schnell, reich an Leucin; hilft aus, wenn der Appetit fehlt.
  1. 1Die Proteine zuerst essen, solange der Appetit da ist.
  2. 2Eine Proteinquelle bei jeder Aufnahme anstreben, auch zum Frühstück.
  3. 3Dicht und wenig voluminös wählen; auf Flüssiges umsteigen (Milch, Trinkjoghurt, Whey), wenn Festes blockiert.
  4. 42 bis 3 Einheiten Krafttraining pro Woche hinzufügen, auch leichte.
  5. 5Sich mit seiner Ärztin, seinem Arzt oder einer Ernährungsberatung abstimmen – eine Ernährungsbegleitung ist nützlich, besonders bei Nierenproblemen oder anhaltenden Verdauungsbeschwerden (Übelkeit, Verstopfung).
Wichtig. Ozempic und Wegovy sind verschreibungspflichtige Medikamente. Beginnen, ändern oder beenden Sie niemals eine Behandlung aus eigenem Antrieb: Diese Entscheidungen obliegen der Ärztin oder dem Arzt, die Sie begleiten. Dieser Artikel informiert über die Ernährung rund um die Behandlung; er stellt keinen individuellen ärztlichen Rat dar, und kein Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verhütet, behandelt oder heilt eine Krankheit.

Häufige Fragen

Warum braucht man unter Ozempic oder Wegovy mehr Proteine?

Weil diese Behandlungen rasch Gewicht verlieren lassen und ein Teil der verlorenen Kilos nicht Fett, sondern Muskel ist – oft rund ein Viertel des verlorenen Gewichts, manchmal mehr. Eine hohe Proteinzufuhr hilft, die Muskelmasse während eines Gewichtsverlusts zu erhalten. Da die Behandlung den Appetit stark reduziert, erfordert das Erreichen dieser Menge mehr Aufmerksamkeit als früher: Man isst weniger, deshalb muss jeder Bissen umso mehr zählen. Menge und Qualität der Proteine gewinnen dadurch eine Bedeutung, die sie vorher nicht hatten.

Wie viele Proteine pro Tag sollte man unter GLP-1 anstreben?

Die Richtwerte aus der Forschung zum Gewichtsverlust setzen die sinnvolle Zufuhr bei rund 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag an, über den Tag verteilt. Sinnvoll ist es auch, mindestens 25 bis 30 Gramm hochwertiges Protein pro Mahlzeit anzustreben, denn das ist die Menge, die den Muskelaufbau am besten anregt, besonders mit zunehmendem Alter. Diese Zahlen sind Grössenordnungen: Ihre Ärztin oder Ihr Arzt oder eine Ernährungsberatung kann sie an Ihre Situation anpassen, insbesondere bei Nierenproblemen.

Wie erreicht man seine Proteine, wenn man keinen Hunger mehr hat?

Die wirksamste Regel: die Proteine zuerst essen, vor den Beilagen und dem Gemüse, solange der Appetit da ist. Danach proteinreiche und wenig voluminöse Lebensmittel bevorzugen (Skyr, Eier, Fisch, Pouletbrust, Quark), in kleine Mahlzeiten aufteilen und auf flüssige Proteine setzen, wenn Festes schwerfällt – ein Glas Milch, ein Trinkjoghurt oder eine Portion angerührtes Whey liefern viel Protein, ohne den Magen zu füllen. Übelkeit und Abneigungen, häufig zu Beginn der Behandlung, lassen mit der Zeit oft nach.

Ist Whey unter Ozempic oder Wegovy sinnvoll?

Es kann helfen, als praktisches Mittel, um die Proteinmenge zu erreichen, wenn der Appetit gedämpft ist. Whey ist flüssig, wird schnell verdaut und ist reich an Leucin, der Aminosäure, die den Muskelaufbau am besten auslöst. Es trägt zur Erhaltung von Muskelmasse bei im Rahmen einer angepassten Ernährung. Es ist weder ein Medikament noch eine Behandlung: Es ist ein Nahrungsergänzungsmittel, das zusätzlich zu den Mahlzeiten kommt, nicht an deren Stelle, und das die ärztliche Begleitung Ihrer Behandlung nicht ersetzt.

Verliert man mit Ozempic oder Wegovy wirklich Muskel?

Ja, zum Teil. Jeder rasche Gewichtsverlust geht mit einem Verlust an fettfreier Masse einher, und die Studien zur Körperzusammensetzung zeigen, dass der Muskelanteil in der Regel 15 bis 40 % der unter diesen Behandlungen verlorenen Kilos ausmacht. Eine ehrliche Nuance: Ein Teil dieses Rückgangs ist zu erwarten, wenn der Körper leichter wird, und die wissenschaftliche Debatte über die funktionellen Folgen ist noch nicht ganz abgeschlossen. Doch bei bereits fragilen oder älteren Menschen ist der Muskelerhalt ein echtes Anliegen – daher die Bedeutung von Proteinen und körperlicher Aktivität.

Sollte man zusätzlich zu den Proteinen Sport treiben?

Ja, das ist die unverzichtbare Ergänzung. Die Proteine liefern den Rohstoff des Muskels, aber es ist die Aktivität – vor allem das Krafttraining -, die dem Körper das Signal gibt, diesen Muskel zu behalten statt ihn zu opfern. Die verfügbaren Arbeiten legen nahe, dass die Kombination aus Proteinzufuhr und Widerstandstraining hilft, die Muskelmasse während eines Gewichtsverlusts unter GLP-1 zu erhalten, deutlich besser als Proteine allein. Zwei bis drei Einheiten pro Woche, auch leichte, reichen für den Anfang.

Was passiert mit dem Muskel, wenn man die Behandlung absetzt?

Beim Absetzen kehrt der Appetit zurück und das Gewicht steigt oft wieder: In der Verlängerung der STEP-1-Studie hatten die Teilnehmenden ein Jahr nach dem Ende von Semaglutid rund zwei Drittel des verlorenen Gewichts wieder zugenommen. Das Problem ist, dass vor allem Fett zurückkehrt, während der verlorene Muskel sich nicht von allein wieder aufbaut. Die Muskelmasse während der Behandlung erhalten zu haben – Proteine plus Aktivität – hilft, diese Phase besser zu meistern. Jede Entscheidung zum Absetzen wird mit der Ärztin oder dem Arzt getroffen, die die Behandlung begleiten.

Reichen zwei Eier, um meinen Proteinbedarf zu decken?

Nein, nicht für eine Mahlzeit. Zwei Eier liefern etwa 12 bis 13 Gramm Protein, also ungefähr die Hälfte des Ziels von 25 bis 30 Gramm pro Mahlzeit, das den Muskel am besten anregt. Sie sind eine gute Grundlage, aber man muss ergänzen: ein Milchprodukt, Käse, eine Scheibe Schinken oder mehr Eier. Unter dem Appetitzügler wird genau diese Art von Rechnung nützlich – eine ausreichende Proteinquelle bei jeder Nahrungsaufnahme anstreben, statt sich auf ein einzelnes Lebensmittel zu verlassen.

Quellen und Referenzen (auf PubMed überprüft)

14 Quellen
  1. Wilding J.P.H. et al. (2021). Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP 1). — New England Journal of Medicine — randomisierte kontrollierte Studie (durchschnittlicher Gewichtsverlust ≈ 15 %)
  2. Karakasis P. et al. (2024). Effect of GLP-1 receptor agonists and co-agonists on body composition: systematic review and network meta-analysis. — Metabolism — Netzwerk-Metaanalyse, 22 Studien (Verlust an fettfreier Masse ≈ 25 % des verlorenen Gewichts)
  3. Neeland I.J. et al. (2024). Changes in lean body mass with GLP-1-based therapies and mitigation strategies. — Diabetes, Obesity & Metabolism — Übersichtsarbeit (Heterogenität des Verlusts an fettfreier Masse; teilweise adaptiver Anteil)
  4. Locatelli J.C. et al. (2024). Incretin-Based Weight Loss Pharmacotherapy: Can Resistance Exercise Optimize Changes in Body Composition? — Diabetes Care — narrative Übersichtsarbeit (Verlust an fettfreier Masse ≈ 6 kg; Rolle des Krafttrainings)
  5. Linge J. et al. (2024). Muscle Mass and GLP-1 Receptor Agonists: Adaptive or Maladaptive Response to Weight Loss? — Circulation — Standortbestimmung (teilweise adaptive Muskelreaktion)
  6. Memel Z. et al. (2025). Impact of GLP-1 Receptor Agonist Therapy in Patients High Risk for Sarcopenia. — Current Nutrition Reports — Übersichtsarbeit (Verlust an fettfreier Masse 15-40 %; Proteine + Krafttraining zur Vorbeugung)
  7. Leidy H.J. et al. (2015). The role of protein in weight loss and maintenance. — American Journal of Clinical Nutrition — Übersichtsarbeit (1,2-1,6 g/kg/Tag; 25-30 g/Mahlzeit)
  8. Kim J.E. et al. (2016). Effects of dietary protein intake on body composition changes after weight loss in older adults: systematic review and meta-analysis. — Nutrition Reviews — Metaanalyse (mehr Protein = mehr fettfreie Masse bei Seniorinnen und Senioren erhalten)
  9. Paddon-Jones D., Rasmussen B.B. (2009). Dietary protein recommendations and the prevention of sarcopenia. — Current Opinion in Clinical Nutrition and Metabolic Care — Übersichtsarbeit (25-30 g/Mahlzeit; Verteilung über den Tag)
  10. Devries M.C. et al. (2018). Leucine, Not Total Protein, Content of a Supplement Is the Primary Determinant of Muscle Protein Anabolic Responses in Healthy Older Women. — The Journal of Nutrition — randomisierte Studie (Leucin als Schlüsselfaktor; Whey ≈ 3 g Leucin)
  11. Camajani E. et al. (2022). Whey Protein, L-Leucine and Vitamin D Supplementation for Preserving Lean Mass during a Low-Calorie Diet in Sarcopenic Obese Women. — Nutrients — Interventionsstudie (Whey + Leucin: fettfreie Masse erhalten, Kraft verbessert)
  12. Wilding J.P.H. et al. (2022). Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide: the STEP 1 trial extension. — Diabetes, Obesity & Metabolism — Studienverlängerung (≈ 2/3 des Gewichts ein Jahr nach dem Absetzen wieder zugenommen)
  13. Jensen S.B.K. et al. (2024). Healthy weight loss maintenance with exercise, GLP-1 receptor agonist, or both combined followed by one year without treatment. — eClinicalMedicine — Analyse nach der Behandlung (körperliche Aktivität schützt besser vor der Wiederzunahme als das Medikament allein)
  14. Leidy H.J. et al. (2007). Higher Protein Intake Preserves Lean Mass and Satiety with Weight Loss in Pre-obese and Obese Women. — Obesity — Studie (mehr Protein: fettfreie Masse und Sättigung besser erhalten)

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