Wie wählt man das passende Nahrungsergänzungsmittel je nach Bedarf aus?

Sofort-Zusammenfassung

Die richtige Wahl eines Nahrungsergänzungsmittels beruht auf vier Schritten: einen echten Bedarf durch Laborbefund oder klinischen Kontext bestimmen, die Produktqualität prüfen (Form, Dosierung, Zusatzstoffe), die Dosierung auf das Profil abstimmen und die Verträglichkeit ab den ersten Tagen überwachen.

Schlüsselfakten

BLV Schweizer Bundesamt, das Nahrungsergänzungsmittel über die VNem regelt und die zulässigen Höchstdosen festlegt.
Bioverfügbarkeit Fähigkeit eines Nährstoffs, nach oraler Einnahme vom Körper aufgenommen und auf zellulärer Ebene verwertet zu werden.
Tolerierbare Höchstaufnahme Maximale tägliche Zufuhr eines Nährstoffs, die langfristig ohne Gesundheitsrisiko konsumiert werden kann.
Chelatierte Form Mineralstoff, der zur besseren Darmaufnahme an eine Aminosäure gebunden ist, zum Beispiel Magnesium-Bisglycinat.

Wesentliche Punkte

  • Knapp 30 % der erwachsenen Schweizerinnen und Schweizer nehmen mindestens ein Präparat, gemäss Schweizer Ernährungsbulletin 2023 des BLV: die Einnahme ist verbreitet, aber häufig nicht durch einen nachgewiesenen Bedarf gestützt.
  • Ein Präparat korrigiert nachhaltig nur einen Mangel oder einen spezifischen Bedarf: ohne klares Ziel bringt es keinen messbaren Nutzen.
  • Die chemische Form verändert die Aufnahme grundlegend: Magnesium-Bisglycinat wird bei gleicher angegebener Dosis besser vertragen als Magnesiumoxid.
  • Kombinierte Präparate führen zu Überschreitungen der tolerierbaren Höchstaufnahme, insbesondere bei Vitamin A, Zink und Vitamin B6.
Alltagsszene, welche die Verbindung zwischen Gesundheit, ausgewogener Ernährung und gezielter Supplementierung darstellt
Die richtige Wahl eines Nahrungsergänzungsmittels beginnt mit dem Erkennen eines echten Bedarfs, nicht eines attraktiven Produkts.

Knapp ein Drittel der erwachsenen Schweizerinnen und Schweizer konsumiert mindestens ein Supplementierungsprodukt, gemäss Schweizer Ernährungsbulletin 2023 des BLV. Dennoch bleibt für viele unklar, wie man ein passendes Nahrungsergänzungsmittel auswählt: Braucht es eine Blutuntersuchung, wie liest man das Etikett, welche Dosierung ist sinnvoll, ist zwischen Erwachsenen und Kindern, jungen Aktiven und Schwangeren zu unterscheiden? Der umfassende Ratgeber zu Nahrungsergänzungsmitteln in der Schweiz fasst den Rahmen zusammen; dieser Artikel beschreibt die Auswahlmethode in vier Schritten: den Bedarf erkennen, die Qualität prüfen, die Dosierung anpassen, die Verträglichkeit überwachen.

Wie lässt sich der Bedarf präzise erfassen?

Warum vor jeder Supplementierung eine Standortbestimmung erfolgen sollte

Die für das BLV durchgeführte Online-Umfrage zeigte, dass Vitamine, Vitamin-Mineralstoff-Kombinationen und Mineralsalze den Warenkorb der Schweizer Konsumierenden dominieren[9], häufig ohne vorgängige Standortbestimmung. Eine solche Standortbestimmung vor der Einnahme weist den Weg zum richtigen Nährstoff und vermeidet unnötige Supplementierungen. Eine 2026 in Medical Sciences erschienene narrative Übersicht[1] zu adipositasassoziierten Defiziten bestätigte, dass Mängel an Eisen, Zink, Magnesium, Vitamin D und Vitamin B12 häufig durch eine kalorienreiche, aber an Mikronährstoffen arme Ernährung verdeckt werden. Ohne Befund besteht ein doppeltes Risiko: einen echten Mangel zu übersehen oder das zu supplementieren, was nicht fehlt, obwohl ein Nahrungsergänzungsmittel ein klares Ziel braucht, um die Gesundheit zu unterstützen. Bei Nährstoffen, deren Status sich einfach durch eine Blutuntersuchung beurteilen lässt — Ferritin, 25-OH-Vitamin D, B12 — ist eine Bestimmung vor einer längeren Kur sinnvoll und leitet die Wahl der an das Gesundheitsziel angepassten Form. Für Magnesium, dessen Blutspiegel den Gewebestatus nur unzureichend widerspiegelt, leiten klinischer Kontext und Ernährungsgewohnheiten die Entscheidung. Bestimmte renale oder kardiale Situationen erfordern besondere Vorsicht; die Umstände, unter denen eine Niereninsuffizienz bestimmte Präparate kontraindiziert, sollten mit einer Fachperson besprochen werden, bevor Kalium, Magnesium oder hochdosiertes Vitamin D eingenommen wird.

Wie lassen sich Anzeichen eines echten Mangels erkennen?

Ein echter Mangel zeigt sich durch ein kohärentes Bündel von Anzeichen, nicht durch ein einzelnes Symptom. Bei Eisen weisen chronische Erschöpfung, Atemnot bei Belastung, Blässe, brüchige Nägel oder das Restless-Legs-Syndrom auf eine Abklärung mittels Ferritinbestimmung hin. Eine 2026 in JAMA erschienene Übersicht[2] dokumentierte, dass das Restless-Legs-Syndrom rund 3 % der erwachsenen US-Bevölkerung in klinisch bedeutsamem Ausmass betrifft und dass eine Eisensupplementierung empfohlen wird, sobald das Ferritin auf 100 ng/mL oder darunter sinkt oder die Transferrinsättigung unter 20 % fällt. Bei Vitamin D weisen diffuse Müdigkeit, Knochenschmerzen oder eine geschwächte Immunabwehr im Winter auf eine Bestimmung hin. Bei Vitamin B12 erfordern Kribbeln, Gedächtnisstörungen und Schwäche bei strikt pflanzlich lebenden Personen eine Überprüfung; die Wahl eines an vegane Profile angepassten Präparats hängt dann von Form und Dosierung ab. Die Falle: vorübergehende Müdigkeit einem Mangel zuzuschreiben, ohne zuerst Schlaf, Stress, Bewegung und die Qualität der ausgewogenen Ernährung zu prüfen.

Wann fachlichen Rat einholen statt selbst zu verschreiben?

Jede Supplementierung bei einer Person unter ärztlicher Behandlung erfordert vorher eine Beratung durch eine Fachperson. Präparate interagieren mit zahlreichen Medikamenten: Johanniskraut verändert den Stoffwechsel von Verhütungsmitteln und Antidepressiva, Calcium und Eisen vermindern die Aufnahme bestimmter Antibiotika, Vitamin K stört Antikoagulanzien. Eine vertiefte Analyse der bekannten Arzneimittelwechselwirkungen mit Nahrungsergänzungsmitteln ist vor jeder Kombination unerlässlich. Schwangere, Kinder sowie Personen mit chronischen Nieren-, Leber- oder Herzerkrankungen sollten ebenfalls vor der ersten Einnahme eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren. Die Apothekerin oder der Apotheker bleibt eine direkte Ansprechperson, um die Verträglichkeit eines Präparats mit einer laufenden Therapie zu prüfen und die Einnahme in einen umfassenden Lebensstil einzuordnen.

Wie lässt sich die Qualität eines Produkts beurteilen?

Aufmerksames Lesen der Zutatenliste auf dem Etikett eines Nahrungsergänzungsmittels
Das Etikett bündelt die wesentlichen Informationen: chemische Form, Dosis pro Einnahme und Liste der Zusatzstoffe.

Welche Angaben sollten auf dem Etikett zuerst gelesen werden?

Die Überprüfung des Etiketts eines Präparats erfordert Aufmerksamkeit für vier eindeutige Angaben: die Menge des Wirkstoffs pro Tagesdosis, die genaue chemische Form des Nährstoffs, die vollständige Liste der Hilfsstoffe und die obligatorischen Warnhinweise. In der Schweiz schreibt die VNem[3] die Bezeichnung «Nahrungsergänzungsmittel», die empfohlene Zufuhr, einen Warnhinweis, die Tagesdosis nicht zu überschreiten, sowie den Hinweis vor, dass diese Produkte keine abwechslungsreiche Ernährung ersetzen. Die Angabe «Magnesium 300 mg» genügt nicht: Es ist wichtig zu wissen, ob es sich um Oxid, Citrat, Bisglycinat oder eine andere Form handelt, denn das Ergebnis im Blut variiert. Die Liste der Hilfsstoffe ermöglicht es, Allergene oder unnötige Zusatzstoffe zu erkennen; eine methodische Lektüre des Etiketts bleibt die erste Schutzschwelle gegenüber schlecht formulierten Produkten. Ein Präparat kann allergische Reaktionen im Zusammenhang mit Gluten, Lactose, Soja, tierischer Gelatine oder Farbstoffen auslösen: die Zutatenliste ist der erste Sicherheitsfilter.

Warum bioverfügbare Formen bevorzugen?

Die Bioverfügbarkeit beschreibt den Anteil eines Nährstoffs, der tatsächlich aufgenommen und verwertet wird. Eine 2024 in Nutrients veröffentlichte randomisierte klinische Studie[4] verglich an 40 Probandinnen und Probanden Oxid, Citrat, Bisglycinat und ein mikroverkapseltes Magnesium: nur die mikroverkapselte Form hielt einen plasmatischen Anstieg über sechs Stunden aufrecht, Oxid und Citrat stiegen nur kurzzeitig, und Bisglycinat führte in diesem Protokoll zu keinem signifikanten plasmatischen Anstieg. Das diskreditiert Bisglycinat nicht, das weithin für seine gute Verdaulichkeit und seine Gewebepenetration anerkannt ist, unterstreicht aber, dass die tatsächliche Wirksamkeit von der galenischen Form abhängt: «angegebene Dosis» und «effektive Dosis» unterscheiden sich je nach Form. Für Eisen ist die orale Supplementierung in der 2025 erschienenen klinischen Übersicht von Li und Finberg[5] beschrieben, die betont, dass die Wahl zwischen oraler und intravenöser Form vom Schweregrad des Mangels abhängt; chelatierte Formen wie Bisglycinat werden bei empfindlichen Personen häufig wegen ihrer guten Verdaulichkeit bevorzugt. Für Omega-3 zeigte eine Humanstudie zu formulierten Ethylester-Präparaten eine deutlichere Verbesserung des Omega-6/Omega-3-Verhältnisses im Blut mit der bioverfügbarkeitsoptimierten Formulierung als mit nicht formulierten Estern[6].

≈ 30 % der erwachsenen Schweizerinnen und Schweizer konsumieren gemäss nationaler Erhebung mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel, doch nur wenige prüfen vor dem Kauf die chemische Form des Nährstoffs. Quelle: Schweizer Ernährungsbulletin 2023, BLV.

Welche Labels und Standards in der Schweiz beachten?

Über die VNem hinaus ist kein Label obligatorisch, mehrere freiwillige Zertifizierungen stärken jedoch das Vertrauen. Die VNem-Konformität schreibt im Anhang festgelegte Höchstdosen vor[3] und schliesst bestimmte Substanzen aus, wie Melatonin in Nahrungsergänzungsmitteln oder roten Reis, vom BLV aufgrund ihres Grenzstatus zum Arzneimittel eingestuft[10]. Ein vom Kantonschemiker kontrollierter Schweizer Hersteller oder Labor wendet eine dokumentierte Selbstüberwachung an, ein Garant für die hygienische Sicherheit. Nützliche ergänzende Zertifizierungen umfassen die unabhängige Reinheitsprüfung (zum Beispiel IFOS für Fischöle, die Oxidation und Schwermetallverunreinigungen misst), die Norm ISO 22000 zur industriellen Lebensmittelsicherheit, das europäische Bio-Label für pflanzliche Rohstoffe sowie die Herstellung nach pharmazeutischer GMP für Produkte, die sich an informierte Konsumierende richten. Ein Produkt ohne diese Signale ist nicht illegal, doch das Fehlen eines unabhängigen Zertifikats lässt die Konsumierenden mit dem Marken­versprechen allein; die Qualitätskriterien eines Präparats beruhen dann vollständig auf der Transparenz des Herstellers.

Wie lässt sich die Dosierung an das eigene Profil anpassen?

Wohlbefinden in jedem Alter: Erwachsene, ältere Menschen und Kinder, die von der Wahl eines passenden Nahrungsergänzungsmittels betroffen sind
Schwangere, Kind, ältere Person, Sportlerin oder Sportler: die Bedarfe überschneiden sich nicht, die Dosierungen ebenso wenig.

Wie lassen sich Überdosierungen bei mehreren Präparaten vermeiden?

Eine Überdosierung entsteht meist durch unbemerkte Kumulation mehrerer Produkte, die dieselben Nährstoffe enthalten. Das Schweizer Ernährungsbulletin 2023[7] dokumentierte, dass mehrere Teilnehmende die tolerierbare Höchstaufnahme für Nährstoffe wie Vitamin D, Magnesium, Zink oder Vitamin B6 überschritten, meist durch Kumulation mehrerer Produkte. Der praktische Rat besteht darin, die Dosen der in jedem Präparat enthaltenen Nährstoffe über 24 Stunden sorgfältig zu addieren und mit den von der EFSA veröffentlichten und vom BLV übernommenen Obergrenzen zu vergleichen. Ein Multivitamin plus ein isoliertes Vitamin D plus ein Immunkomplex führt häufig zu einem Übermass an Zink oder Vitamin A; die Wahl zwischen einem Einzelnährstoff-Präparat oder einer Kombinationsformel verringert dieses Kumulationsrisiko. Risiken im Zusammenhang mit Überdosierungen von Nahrungsergänzungsmitteln umfassen Leberschäden bei Vitamin A, Hypercalcämie bei Vitamin D sowie Verdauungs- oder Nervensystembeschwerden bei Zink und Vitamin B6.

Welche Präparate für Schwangere oder Stillende?

Eine Schwangerschaft erfordert einen strengen medizinischen Rahmen mit wenigen validierten Nährstoffen und viel Vorsicht beim Übrigen. Folsäure vor der Empfängnis und im ersten Trimester, Jod während der gesamten Schwangerschaft sowie Vitamin D je nach Sonnenexposition werden in den europäischen Empfehlungen einhellig befürwortet. Eisen wird bei nachgewiesener Anämie hinzugefügt, nicht systematisch. Adaptogene Pflanzen, ätherische Öle, bestimmte hochdosierte Vitamine (insbesondere präformiertes Vitamin A) und Phytoöstrogene sind zu vermeiden; es wird geraten, vor jeder Anwendung eine Fachperson zu konsultieren. Die spezifischen Vorsichtsmassnahmen für Nahrungsergänzungsmittel bei Schwangeren in der Schweiz beruhen auf den Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) und der Beurteilung einer Gynäkologin, eines Gynäkologen oder einer Hebamme vor jeder neuen Einnahme.

Welche Präparate für Kinder und Jugendliche?

Bei Kindern und Jugendlichen rechtfertigt sich eine Supplementierung von Fall zu Fall, niemals routinemässig. Vitamin D ist die Ausnahme: in der Schweiz und in mehreren nordischen Ländern beim Säugling systematisch empfohlen, wurde es in einer Ende 2025 veröffentlichten polnischen Studie an 2 019 Kindern[8] mit einer besseren Zahnfleischgesundheit bei Kindern im Alter von 6 und 10 Jahren in Verbindung gebracht. Abgesehen von Vitamin D müssen Präparate für Kinder einen dokumentierten Bedarf ergänzend zu einer gesunden Ernährung decken: pflanzliche Ernährung bei Vitamin B12, Anämie bei Eisen, schwere allergische Konstitution bei Omega-3-Fettsäuren. Multivitamine «mit Bonbongeschmack», die das Immunsystem stärken sollen, bergen bei wiederholter Einnahme das Risiko einer Überdosierung, und ihr präventiver Nutzen ist bei nicht mangelernährten Kindern nicht belegt; die Eckpunkte zur Unterstützung der Abwehrkräfte im Winter beruhen zunächst auf Vitamin D, Ernährung und Schlaf. Die Details zur Sicherheit von Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern und Jugendlichen decken sich mit den eidgenössischen pädiatrischen Empfehlungen.

Wie lässt sich die Verträglichkeit im Alltag überwachen?

Welche unerwünschten Wirkungen sind in den ersten Tagen zu beobachten?

Die häufigsten frühen unerwünschten Wirkungen betreffen die Verdauung, Allergien oder Veränderungen von Stimmung oder Schlaf. Eine Übelkeit, ein Durchfall, Blähungen oder eine Verstopfung, die innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach der Einführung eines Präparats auftreten, weisen häufig auf die Mineralform oder einen schlecht verträglichen Hilfsstoff hin, was eine rasche Aufmerksamkeit für das konsumierte Produkt erfordert. Durch Nahrungsergänzungsmittel verursachte Verdauungsbeschwerden betreffen vor allem Magnesiumoxid, Eisensulfat und hohe Dosen Vitamin C. Ein Hautausschlag, Juckreiz oder ein Ödem erfordern den sofortigen Abbruch und eine Konsultation. Adaptogen-Präparate können in den ersten Einnahmen den Schlaf oder die Stimmung stören; ein kurzes Verträglichkeitstagebuch während der ersten Woche hilft, das verantwortliche Produkt zu identifizieren.

Signale für sofortiges Absetzen

Gesichtsödem, Atemnot, generalisierte Urtikaria, starke Bauchschmerzen, Gelbsucht oder dunkler Urin: das Präparat sofort absetzen und unverzüglich eine Fachperson aufsuchen. Diese Signale sind niemals zu bagatellisieren, auch nicht bei einem in der Apotheke gekauften Produkt.

Wann eine Supplementierung absetzen oder anpassen?

Eine Supplementierung wird zu jedem Termin nach individuellem Bedarf neu beurteilt, nicht unbegrenzt. Bei einem korrigierten Mangel erlaubt eine Kontrollbestimmung drei bis sechs Monate nach Beginn die Entscheidung über das Absetzen oder die Fortsetzung mit einer Erhaltungsdosis. Bei einer Magnesium- oder B-Komplex-Kur im Zusammenhang mit vorübergehendem Stress genügt eine Dauer von einem bis drei Monaten in den meisten Fällen, je nach Kontext anzupassen — beispielsweise bei Sportlerinnen und Sportlern mit spezifischem Bedarf in der Regeneration. Bei Vitamin D ist in sonnenarmen Regionen eine bis zum Frühjahr verlängerte winterliche Supplementierung üblich, eine angepasste Dosis verhindert jedoch das Überschreiten der tolerierbaren Höchstaufnahme. Die unbefristete Fortsetzung ohne Neubeurteilung birgt das Risiko einer kumulativen Überdosierung und einer finanziellen Verschwendung. Die Regel: ein Präparat hat ein Ziel, eine Dauer, ein Abbruchkriterium — andernfalls wird es zur Gewohnheit ohne messbaren Nutzen, abseits eines kohärenten Lebensstils.

Häufig gestellte Fragen

Sollte vor der Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels eine Blutuntersuchung erfolgen?

Bei längerer oder gezielter Einnahme ja. Eine Blutbestimmung von Eisen (Ferritin), Vitamin D oder Vitamin B12 bestätigt den Mangel vor der Einnahme und vermeidet unnötige Supplementierungen. Aktuelle Übersichtsarbeiten zu Mikronährstoffdefiziten betonen, dass die durch Laborbefunde geleitete Korrektur wirksamer ist als eine Supplementierung ohne Diagnostik. Bei Nährstoffen wie Magnesium, dessen Blutspiegel den Gewebestatus nur unzureichend widerspiegelt, hat der klinische Kontext Vorrang: Krämpfe, Müdigkeit, Schlafstörungen sind aussagekräftiger als der biologische Befund.

Magnesium-Bisglycinat oder Magnesiumcitrat: Was wählen?

Beide Formen sind sinnvoll, die Wahl hängt vom Ziel ab. Eine 2024 in Nutrients veröffentlichte klinische Cross-over-Studie an 40 Personen verglich Oxid, Citrat, Bisglycinat und ein mikroverkapseltes Magnesium: nur die mikroverkapselte Form hielt einen plasmatischen Anstieg über sechs Stunden, Citrat und Oxid stiegen früher, aber nur kurz an. Bisglycinat wird weiterhin breit eingesetzt aufgrund seiner guten Verdaulichkeit. Bei häufigen Verdauungsbeschwerden eignet sich eine chelatierte Form wie Bisglycinat besser als ein schlecht verträgliches anorganisches Salz.

Wie viele Nahrungsergänzungsmittel kann man gleichzeitig kombinieren?

Drei bis vier gleichzeitig eingenommene Präparate sind ohne Verschreibung eine vernünftige Obergrenze. Darüber hinaus steigt das Risiko, die tolerierbare Höchstaufnahme eines Nährstoffs zu überschreiten, insbesondere bei Vitamin A, Vitamin D, Zink, Eisen oder Vitamin B6. Das Schweizer Ernährungsbulletin 2023 dokumentierte mehrere Überschreitungen bei Konsumierenden, die mehrere Produkte kumulierten. Praktische Regel: nur ein Produkt pro nachgewiesenem Mangel und systematische Überprüfung der kumulierten Tagesdosen über 24 Stunden.

Sind Bio-Nahrungsergänzungsmittel von besserer Qualität?

Nicht automatisch, aber sie bieten eine Garantie gegen Verunreinigungen der pflanzlichen Rohstoffe. Das Bio-Label setzt Anforderungen an den Anbau (Pestizide, Düngemittel), nicht an die endgültige Reinheit des Produkts oder die Bioverfügbarkeit der verwendeten Form. Aus Flechte extrahiertes Bio-Vitamin D bleibt Vitamin D; Bio-Magnesium gibt es nicht, da Magnesium ein Mineralstoff ist. Vorrangige Qualitätsindikatoren bleiben die chemische Form, die Dosierung, das Fehlen unnötiger Zusatzstoffe sowie eine unabhängige Reinheitsprüfung.

Sollte man Nahrungsergänzungsmittel in der Schweiz bevorzugt in der Apotheke kaufen?

Die Apotheke bleibt ein sicherer Vertriebsweg, ist aber keine Garantie für eine überlegene Qualität. Laut BLV-Daten sind Apotheke, Drogerie und Arztpraxis die wichtigsten Bezugswege, gefolgt vom Online- oder Versandhandel mit über einem Viertel der Produkte sowie dem Detailhandel mit fast einem Fünftel. Der rechtliche Status des Produkts ist überall identisch: die VNem gilt. Der Vorteil der pharmazeutischen Beratung liegt in der Prüfung von Wechselwirkungen mit Arzneimitteln und in der Orientierung sensibler Personengruppen. Bei einem online gekauften Produkt sollte die Konformität der Etikettierung auf Französisch, Deutsch oder Italienisch geprüft werden.

Quellen und Referenzen

10 Quellen
  1. Alexa R-E. et al. — The Nutritional Paradox of Obesity: Mechanisms and Clinical Implications of Micronutrient Deficiencies. — Medical Sciences, 14(2), 2026 — narrative Übersicht zu Mikronährstoffdefiziten bei Adipositas (PubMed PMID 42029584).
  2. Winkelman J.W., Wipper B. — Restless Legs Syndrome: A Review. — JAMA, 335(8), 2026 — klinische Übersicht, Eisensupplementierung bei Ferritin ≤ 100 ng/mL (PubMed PMID 41563785).
  3. Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem), SR 817.022.14. — Schweizerische Eidgenossenschaft — amtlicher Text, konsolidierte Fassung 1. Februar 2024.
  4. Pajuelo D. et al. — Comparative Clinical Study on Magnesium Absorption and Side Effects. — Nutrients, 16(24), 2024 — randomisierte klinische Cross-over-Studie, 40 Personen (PubMed PMID 39770988).
  5. Li X., Finberg K.E. — Iron Deficiency Anemia. — Adv Exp Med Biol, 1480, 2025 — klinische Übersicht zu Diagnostik und Supplementierung (PubMed PMID 40603791).
  6. Donnarumma D. et al. — Human blood lipid profiles after dietary supplementation of different omega 3 ethyl esters formulations. — J Chromatogr B, 1231, 2023 — Humanstudie zur Bioverfügbarkeit formulierter Omega-3-Fettsäuren (PubMed PMID 37976941).
  7. Solliard C., Benzi Schmid C., König S.L.B. — Der Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln in der Schweiz. — Schweizer Ernährungsbulletin 2023, BLV — nationale Erhebung bei 1 282 Erwachsenen.
  8. Olczak-Kowalczyk D. et al. — Association between vitamin D supplementation and oral health in children. — Clin Oral Investig, 29(12), 2025 — Querschnittsstudie an 2 019 polnischen Kindern (PubMed PMID 41204017).
  9. BLV — Online-Umfrage zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in der Schweiz. — Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen — Bericht Demo SCOPE AG, 2022.
  10. BLV — Nahrungsergänzungsmittel: Verbraucherinformationen und Gesetzgebung. — BLV — amtliches Merkblatt zu Definition, Zulassung und Etikettierung.

Artikel veröffentlicht am , aktualisiert am .