Wie wirkt ein Nahrungsergänzungsmittel?

Sofortige Zusammenfassung

Ein Nahrungsergänzungsmittel liefert eine konzentrierte Dosis Vitamine, Mineralstoffe oder anderer aktiver Substanzen, die verdaut, vom Darm aufgenommen und anschliessend über das Blut zu den bedürftigen Geweben verteilt wird.

Schlüsselfakten

Nahrungsergänzungsmittel Konzentriertes Lebensmittel, das Vitamine, Mineralstoffe oder Substanzen mit ernährungsphysiologischer Wirkung liefert (BLV).
Bioverfügbarkeit Anteil der eingenommenen Substanz, der tatsächlich ins Blut und danach zu den Zielzellen gelangt.
Darmaufnahme Übergang des Wirkstoffes vom Verdauungstrakt in den Blutkreislauf über spezifische Transporter.
VNem Schweizer Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (SR 817.022.14), legt erlaubte Substanzen und Dosen fest.

Wichtige Punkte

  • Ein Nahrungsergänzungsmittel folgt dem gleichen Weg wie ein Lebensmittel: Verdauung, Darmpassage, Verteilung über das Blut zu den Zielgeweben.
  • Die galenische Form (Kapsel, Tablette, Flüssigkeit) und die chemische Zusammensetzung des Moleküls verändern die tatsächlich aufgenommene Menge erheblich.
  • 30 % der Schweizer Bevölkerung nehmen mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel ein, meistens Vitamine oder Mineralstoffe (BLV 2022).
  • Das Nahrungsergänzungsmittel behandelt keine Krankheit und bleibt ein Lebensmittel, klar getrennt vom Arzneimittel im Sinne des Schweizer Rechts.
Kapseln, Tabletten und Pulver von Nahrungsergänzungsmitteln auf einem Holztisch, neben frischen Früchten und einem Glas Wasser
Tabletten, Kapseln, Pulver und Ampullen: Nahrungsergänzungsmittel kommen in unterschiedlichen galenischen Formen, jede mit ihren eigenen Aufnahmeeigenschaften.

Rund eine von drei Personen in der Schweiz nimmt mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel ein, meist Vitamine oder Mineralstoffe, laut einer 2022 vom BLV bei 1 282 Erwachsenen durchgeführten nationalen Umfrage. Um zu verstehen, wie diese Kapseln und Tabletten wirken, muss man den Weg des eingenommenen Moleküls bis zu den Zellen verfolgen, die es nutzen. Dieser Artikel ist Teil des vollständigen Ratgebers zu Nahrungsergänzungsmitteln und beschreibt die vier Schlüsselschritte: die galenische Form, in der man es schluckt, den Übergang im Darm, den tatsächlich aufgenommenen Anteil und die reale Wirkung auf den Organismus.

Wie gelangt ein Nahrungsergänzungsmittel in den Organismus?

Schema des Verdauungsweges eines Nahrungsergänzungsmittels: Mund, Magen, Dünndarm, Blut und schliesslich Zielgewebe
Der Weg eines Nahrungsergänzungsmittels durch den Organismus: von der Einnahme bis zur Blutverteilung an die Zielgewebe.

In welcher Form nimmt man ein Nahrungsergänzungsmittel ein?

Ein Nahrungsergänzungsmittel wird in einer konzentrierten und dosierten Form verkauft: Tablette, Hartkapsel, Weichkapsel, Pulver, Flüssigampulle oder Tropfflasche. Jede Kategorie umfasst Produkte mit unterschiedlichen Schlüsselzutaten — Vitamine, Mineralstoffe, Pflanzen oder Aminosäuren — die eine konzentrierte Zufuhr an essenziellen Elementen darstellen. Das BLV definiert diese Lebensmittel als dazu bestimmt, die Ernährung durch eine Zufuhr von Vitaminen, Mineralstoffen oder Substanzen mit ernährungsphysiologischer oder physiologischer Wirkung zu ergänzen[1].

Die galenische Form beeinflusst den Einnahmekomfort über den Mund, aber auch die Geschwindigkeit, mit der das Molekül im Verdauungstrakt zur Verfügung steht. Eine Flüssigampulle gibt ihren Inhalt innerhalb weniger Minuten frei, während eine überzogene Tablette 30 bis 60 Minuten benötigt, um zu zerfallen. Jede galenische Form entspricht einem präzisen Zweck: Stabilität des Wirkstoffes, Geschmack oder Bequemlichkeit der täglichen Einnahme.

Wie nimmt der Organismus die Nährstoffe auf?

Einmal im Magen und danach im Dünndarm freigesetzt, muss das Molekül die Darmwand überwinden, um ins Blut zu gelangen. Dieser Übergang erfolgt nicht automatisch: die meisten Vitamine und Mineralsalze nutzen spezifische Transporter[2] auf den Zellen des Verdauungssystems. Diese Transporter spielen eine zentrale Rolle für die vom menschlichen Körper tatsächlich aufgenommene Menge.

Hämeisen, das in Lebensmitteln tierischen Ursprungs und in einigen Präparaten enthalten ist, wird über einen spezifischen aktiven Weg unter Beteiligung der intestinalen Häm-Oxygenase aufgenommen[3] und gelangt deutlich besser ins Blut als die nicht-hämischen Eisensalze. Beim Calcium macht der aktive Weg im Duodenum (TRPV6-Kanäle) nur etwa 20 % der Gesamtabsorption[4] aus; der Rest erfolgt durch passive parazelluläre Diffusion im Ileum.

Warum die Wirksamkeit von Person zu Person unterschiedlich ist

Bei gleicher Dosis erzielen zwei Personen nicht das gleiche Ergebnis, weil die Verdauungs- und Stoffwechselvorgänge individuell unterschiedlich sind. Mehrere Parameter spielen eine Rolle: das Alter, die Darmflora, die gleichzeitige Nahrungsaufnahme, gewisse Medikamente, der Lebensstil und sogar die Genetik verändern[2] die Menge des aktiven Moleküls, die die Zellen tatsächlich erreicht. Die täglichen Lebensumstände wiegen also ebenso schwer wie die Kapsel selbst.

Eine aktuelle europäische Übersichtsarbeit zur kolischen Aufnahme von Calcium und Magnesium zeigt zum Beispiel, dass die Fermentation der Ballaststoffe durch die Mikrobiota die kolische Aufnahme von 10 % auf rund 30 % der Gesamtmenge anheben kann (Stumpff & Manneck 2025)[4]. Über die normale Ernährungsweise hinaus ist dies der Grund, warum dasselbe Produkt bei der einen Person wirksam und bei der anderen wirkungslos erscheinen kann.

Warum nicht alle Präparate gleichwertig sind

Die Bioverfügbarkeit, Schlüssel der tatsächlichen Wirksamkeit

Die Bioverfügbarkeit bezeichnet den Anteil des eingenommenen Moleküls, der den Blutkreislauf wirklich erreicht und vom Organismus genutzt werden kann. Auf dieser Grundlage kann eine wenig bioverfügbare Formulierung die tatsächlich verfügbare Menge um den Faktor zehn verringern — was erklärt, warum ein günstiges Präparat nicht immer eine Einsparung darstellt.

Eine 2025 vom Amsterdam University Medical Center veröffentlichte klinische Studie verglich drei Curcumin-Formulierungen bei neun gesunden Freiwilligen. Selbst bei hoher Dosis und mit zugesetztem Piperin blieb die Konzentration an freiem Curcumin im Blut unter 2 Nanomol pro Liter, hundertmal weniger als die im Labor mit einer biologischen Wirkung verbundenen Konzentrationen (Kroon 2025)[5]. Der Befund ist klar: eine hohe Dosis auf dem Etikett bedeutet keine hohe Dosis im Blut.

<10 % Absorption von reinem Curcumin. Ohne angepasste galenische Technologie erreichen weniger als 10 % des eingenommenen Curcumins tatsächlich die Gewebe — ein extremer Fall, der die Lücke zwischen Etikettendosis und biologisch nutzbarer Dosis veranschaulicht. Quelle: Hossain 2025, Food Science & Nutrition

Die Faktoren, die die Absorption modulieren

Mehrere Elemente lassen die aufgenommene Menge variieren, unabhängig von der angegebenen Dosierung. Die chemische Form des Moleküls steht an erster Stelle: derselbe Mineralstoff liegt als Oxid, Citrat, Bisglycinat oder Chelat vor, mit deutlich unterschiedlichen Aufnahmeraten je nach verwendetem Salz[3].

Auch der Mahlzeitenkontext zählt. Die fettlöslichen Vitamine (A, D, E, K) benötigen Fettsäuren in der Mahlzeit, um aufgenommen zu werden — eine Mahlzeit mit Omega-Fetten, Olivenöl oder Avocado verbessert ihren Übergang in den Darm. Vitamin C, gleichzeitig mit nicht-hämischem Eisen eingenommen, erhöht dessen Übergang ins Blut bei Säuglingen und Kindern, laut einer systematischen Übersichtsarbeit von 2024 mit 37 Studien und 1 531 Teilnehmenden[6]. Umgekehrt kann gleichzeitig eingenommenes Calcium das Eisen blockieren.

Wie man ein Etikett liest, um eine gut aufnehmbare Form zu erkennen

Das Etikett eines Nahrungsergänzungsmittels nennt den Wirkstoff, die empfohlene Tagesdosis und die genaue chemische Zusammensetzung. Diese Information ist entscheidend, um zwei Produkte zu vergleichen: beim Magnesium zum Beispiel werden Bisglycinat oder Citrat besser aufgenommen als Oxid[4], welches jedoch das günstigste und in günstigen Multivitaminpräparaten am häufigsten verbreitete Salz ist.

Die Schweizer Verordnung VNem (SR 817.022.14)[7] verpflichtet den Hersteller, eine Liste zugelassener Formen sowie Höchstmengen pro Tagesdosis einzuhalten. Diese Richtlinien regeln die Etikettierung streng: Transparenz über die Zusammensetzung ist somit eine rechtliche Verpflichtung, kein Marketingargument.

Praktischer Hinweis

Ein Etikett, das die genaue chemische Form des Mineralstoffes nicht angibt (« Magnesium 300 mg » ohne Angabe von Oxid oder Bisglycinat), erlaubt keine Einschätzung der tatsächlichen Bioverfügbarkeit des Präparates.

Ersetzt ein Präparat eine ausgewogene Ernährung?

Teller mit Früchten, Gemüse, Getreide und Fisch neben einer Dose mit Kapseln eines Nahrungsergänzungsmittels
Eine abwechslungsreiche Ernährung bleibt laut BLV die erste Nährstoffquelle: Präparate ersetzen sie niemals.

Der Teller bleibt die erste Nährstoffquelle

Nein, ein Nahrungsergänzungsmittel ersetzt keine ausgewogene Ernährung. Das BLV erinnert daran[1], dass eine gesunde Person, die sich gesund ernährt, ihren Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen normalerweise ohne Pille deckt. Lebensmittel liefern darüber hinaus Ballaststoffe, Antioxidantien und einen Synergieeffekt zwischen Mikronährstoffen, den Tabletten nicht nachbilden.

Eine aktuelle kanadische Studie zum Konsum von Multivitaminpräparaten (Keshavarz 2026)[8] zeigt, dass die regelmässigen Konsumentinnen und Konsumenten bereits diejenigen sind, die sich am ausgewogensten ernähren und am wenigsten eine Supplementierung benötigen. Das Präparat spielt hier eine ergänzende Rolle — es kommt zu einem guten Teller hinzu, nicht an dessen Stelle.

Situationen, in denen eine Supplementierung sinnvoll wird

Bestimmte physiologische oder ernährungsbedingte Situationen rechtfertigen ein gezieltes Präparat für eine klar definierte Dauer und für einen bestimmten Mikronährstoff. Das BLV nennt vier Hauptfälle[9]: Schwangerschaft und Frauen mit Kinderwunsch (Folsäure, Jod), Säuglinge und Kinder bis drei Jahre (Vitamin D), Personen über 60 Jahre (Vitamin D) sowie Personen mit vegetarischer oder veganer Ernährung (Vitamin B12, Jod).

Eine norwegische Studie aus dem Jahr 2024 mit 165 Jugendlichen zwischen 16 und 24 Jahren in verschiedenen Ernährungsweisen zeigt, dass Veganerinnen und Veganer ein ausgeprägtes Risiko einer unzureichenden Jodzufuhr aufweisen (63 % der Teilnehmenden), trotz einer in dieser Gruppe bereits hohen Supplementierung (Groufh-Jacobsen 2024)[10]. Das Präparat dient hier dazu, einen dokumentierten Mangel auszugleichen, nicht einen gesunden Organismus zu « boosten ».

Die physiologischen Grenzen der Pille

Der Organismus reguliert die Aufnahme der meisten Moleküle über feine Leber- und Nierenfunktionen, und auch das Immunsystem greift bei dauerhaftem Überschuss ein. Wenn die Reserven voll sind, nimmt der Darmübergang ab und der Überschuss wird durch Leber oder Nieren ausgeschieden (wasserlösliche Vitamine) oder in den Geweben gespeichert, manchmal bis zu einer toxischen Schwelle (fettlösliche Vitamine, Eisen). Deshalb kann eine längere Überdosierung der Gesundheit schaden.

Die VNem[7] legt für die betroffenen Vitamine und Mineralstoffe Höchstmengen pro Tagesdosis fest, sowohl um das Risiko einer Überdosierung zu begrenzen als auch um die rechtliche Grenze zwischen Lebensmittel und Arzneimittel aufrechtzuerhalten. Über diese Schwellen hinaus würde das Produkt den Rahmen der Nahrungsergänzungsmittel verlassen und in die Heilmittelgesetzgebung fallen.

Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel: worin liegt der Unterschied?

Ein ernährungsphysiologisches, kein therapeutisches Ziel

Ein Nahrungsergänzungsmittel ist kein Arzneimittel. Sein Zweck ist es, die Ernährung zu ergänzen, nicht eine Krankheit zu behandeln, zu verhüten oder zu heilen. Das BLV ist eindeutig[1]: diese Produkte dürfen keine pharmakologische Wirkung haben, und auf der Verpackung ist keine Heilaussage zulässig. Genau das markiert die Grenze zum Arzneimittel: ein Lebensmittelstatus, der jede therapeutische Zielsetzung untersagt.

Ein Arzneimittel hat eine präzise therapeutische Indikation, eine nachgewiesene wirksame Dosis und ein dokumentiertes Nebenwirkungsprofil vor der Marktzulassung. Ein Präparat hingegen wirkt im Bereich des « ernährungsphysiologischen Bedarfs », und seine Rolle beschränkt sich auf die von der EFSA[11] auf Ebene der Europäischen Union geregelten gesundheitsbezogenen Angaben — zum Beispiel « Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei ».

Zwei unterschiedliche Regulierungsrahmen in der Schweiz

In der Schweiz unterstehen Nahrungsergänzungsmittel dem Lebensmittelrecht: Lebensmittelgesetz (LMG, SR 817.0), Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung sowie die spezifische Verordnung VNem[7]. Gemäss diesen Texten ist für das Inverkehrbringen keine vorgängige Bewilligung erforderlich: die Verantwortung für die Konformität liegt beim Hersteller oder Vertreiber, der die Forschungs- und Technikunterlagen für die Behörden bereithalten muss.

Arzneimittel unterstehen im Gegenteil dem Heilmittelgesetz (HMG, SR 812.21) und werden von Swissmedic[12] kontrolliert, dem Schweizer Pendant der Arzneimittelbehörden. Diese Behörde erteilt eine Marktzulassung nach Beurteilung von Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit. Die Grenze zwischen beiden kann fliessend sein: gewisse aus Frankreich oder der Europäischen Union eingeführte Produkte werden beim Zollübergang als Arzneimittel umqualifiziert.

Was diese Grenze für die Konsumentinnen und Konsumenten verändert

Für die Konsumentinnen und Konsumenten hat diese Unterscheidung drei praktische Konsequenzen. Erstens: Vorsicht bei den Etiketten — ein Präparat darf rechtlich keine therapeutische Wirkung versprechen[1]. Ein Etikett, das « heilt » oder « behandelt » verspricht, deutet entweder auf einen Verstoss hin oder auf ein Produkt, das ein Arzneimittel sein müsste — der praktische Rat lautet daher, solche Produkte zu meiden und transparente Marken zu bevorzugen.

Zweitens: die Qualitätskontrolle ist nicht dieselbe — Präparate durchlaufen nicht die Anforderungen der pharmazeutischen Herstellung. Drittens zeigt die nationale BLV-Umfrage von 2022[13], dass mehr als ein Viertel der in der Schweiz konsumierten Präparate online gekauft wird, und eine 2024 von den Kantonschemikern durchgeführte nationale Kampagne[14] an 127 Produkten, die in Online-Shops in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein verkauft wurden — jede inspizierte Website wurde einzeln analysiert — führte zu 113 Verkaufsverboten, also 89 %, wegen nicht zugelassener Zutaten oder gesundheitlicher Risiken.

Wachsamkeit

Ein Nahrungsergänzungsmittel, das eine Wirkung auf eine bestimmte Krankheit verspricht (« lindert Arthrose », « heilt Schlaflosigkeit », « behandelt Depression »), verlässt den Schweizer Rechtsrahmen. Entweder ist die Aussage unzulässig, oder das Produkt fällt in Wirklichkeit unter die Heilmittelgesetzgebung.

Häufig gestellte Fragen

Nach welcher Zeit wirkt ein Nahrungsergänzungsmittel?

Die Frist reicht von einigen Stunden bis zu mehreren Wochen. Wasserlösliche Vitamine wie Vitamin C oder die B-Vitamine gelangen schon bei den ersten Einnahmen in 1 bis 3 Stunden ins Blut. Moleküle, die sich in den Geweben anreichern, wie Vitamin D oder Eisen, benötigen 4 bis 12 Wochen, um die Blutwerte zu verändern. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) erinnert daran, dass ein Nahrungsergänzungsmittel einen Mangel nur dann ausgleicht, wenn Dosis und Dauer auf das gewählte Molekül abgestimmt sind.

Sollte man ein Nahrungsergänzungsmittel nüchtern oder zu einer Mahlzeit einnehmen?

Das hängt vom Molekül ab. Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sowie das Coenzym Q10 und Curcumin benötigen Nahrungsfette, um die Darmwand zu passieren. Mineralstoffe wie Eisen werden nüchtern besser aufgenommen, ausser der Magen ist empfindlich. Die wasserlöslichen Vitamine B und C werden in beiden Situationen vertragen. Das Etikett des Präparates oder die Beratung eines Apothekers erlaubt eine fallweise Entscheidung.

Warum haben zwei Präparate mit demselben Vitamin nicht dieselbe Wirkung?

Weil die chemische Form alles verändert. Ein Vitamin oder Mineralstoff liegt in mehreren Salzen vor, und jedes wird vom Darm anders aufgenommen. Hämeisen tierischen Ursprungs zum Beispiel nutzt einen eigenen Transporter und gelangt deutlich besser ins Blut als die nicht-hämischen Eisensalze (Kalman 2025). Der Preis eines Präparates spiegelt nicht zwangsläufig seine Aufnahmequalität wider: man muss die detaillierte Zusammensetzung lesen.

Kann ein Nahrungsergänzungsmittel Nebenwirkungen haben?

Ja, insbesondere bei Überdosierung oder Wechselwirkung. Tox Info Suisse hat zwischen 2014 und 2019 rund 1 200 Anfragen im Zusammenhang mit Nahrungsergänzungsmitteln registriert, viele davon wegen versehentlicher Einnahme bei Kindern. Ein chronischer Überschuss an Vitamin A, Eisen oder Calcium kann der Gesundheit schaden. Die Bundesverordnung VNem legt zur Begrenzung dieses Risikos Höchstmengen pro Tagesdosis fest. Eine Kur darf niemals mehrere Präparate ohne fachlichen Rat kombinieren.

Werden Nahrungsergänzungsmittel in der Schweiz vor dem Verkauf kontrolliert?

Nein, es besteht kein vorgängiges Bewilligungsverfahren. Die Sicherheit des Präparates liegt in der Verantwortung des Herstellers oder Vertreibers, der die Verordnung VNem (SR 817.022.14) und die Verordnung VLpH einhalten muss. Die kantonalen Behörden führen Stichprobenkontrollen an bereits im Handel befindlichen Produkten durch. Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das, transparente Marken bezüglich Zusammensetzung, galenischer Form und Herkunft zu bevorzugen.

Quellen und Referenzen

14 Quellen
  1. BLV — Nahrungsergänzungsmittel: Definition und rechtlicher Rahmen — Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, institutionelle Referenzseite
  2. Hossain MS et al. — Dietary Phytochemicals in Health and Disease: Mechanisms, Clinical Evidence, and Applications — Food Science & Nutrition, 2025 (Übersichtsarbeit, DOI 10.1002/fsn3.70101)
  3. Kalman D et al. — Dietary Heme Iron: A Review of Efficacy, Safety and Tolerability — Nutrients, 2025 (Übersichtsarbeit, DOI 10.3390/nu17132132)
  4. Stumpff F, Manneck D — Prebiotics as modulators of colonic calcium and magnesium uptake — Acta Physiologica, 2025 (Übersichtsarbeit, DOI 10.1111/apha.14262)
  5. Kroon MAGM et al. — A pharmacokinetic study and critical reappraisal of curcumin formulations enhancing bioavailability — iScience, 2025 (klinische Studie, DOI 10.1016/j.isci.2025.112575)
  6. Gallahan S et al. — A Systematic Review of Isotopically Measured Iron Absorption in Infants and Children Under 2 Years — Nutrients, 2024 (systematische Übersichtsarbeit, DOI 10.3390/nu16223834)
  7. Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem, SR 817.022.14) — Systematische Sammlung des Schweizer Bundesrechts
  8. Keshavarz P et al. — Bottle to body: how multivitamin/mineral supplements shape Canadian nutrient intake — Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism, 2026 (Beobachtungsstudie, DOI 10.1139/apnm-2025-0305)
  9. BLV — Nahrungsergänzungsmittel: eine auf bestimmte Situationen beschränkte Anwendung — Offizielle Empfehlungen für Risikogruppen (Schwangerschaft, Veganer, Senioren)
  10. Groufh-Jacobsen S et al. — Micronutrient intake and status in young vegans, vegetarians, pescatarians, flexitarians, and omnivores — European Journal of Nutrition, 2024 (Querschnittsstudie, DOI 10.1007/s00394-024-03453-4)
  11. Europäische Kommission — Register nährwert- und gesundheitsbezogener Angaben (Verordnung EG 1924/2006) — Offizielle Datenbank der von der EFSA zugelassenen und abgelehnten Angaben
  12. Swissmedic / BLV — Abgrenzungskriterien zwischen Lebensmitteln und Heilmitteln — Referenzdokument zur rechtlichen Grenze in der Schweiz
  13. Solliard C et al. — Der Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln in der Schweiz — Schweizer Ernährungsbulletin 2023, BLV (nationale Umfrage, 1 282 Erwachsene)
  14. Schweizer Kantonschemiker — Online verkaufte Nahrungsergänzungsmittel: nationale Kampagne 2024 — Gemeinsame Kontrollkampagne BLV/Kantone (127 Produkte, 113 Verkaufsverbote)

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