Birgt eine Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln Gesundheitsrisiken?

Sofort-Zusammenfassung

Eine Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln birgt eine Leber-, Nieren- und Knochentoxizität, hauptsächlich mit den fettlöslichen Vitaminen A, D, E, K und bestimmten Mineralstoffen wie Eisen oder Selen, die sich im Körper anreichern.

Schlüsselfakten

Tolerierbare Höchstzufuhr Tägliche chronische Nährstoffmenge ohne bekanntes Risiko, von der EFSA festgelegt und vom BLV verwendet.
Fettlösliche Vitamine Vitamine A, D, E und K, gespeichert in Leber- und Fettgewebe, mit Risiko toxischer Anreicherung.
Tox Info Suisse Nationaler toxikologischer Auskunftsdienst (Nummer 145), der Vergiftungsfälle sammelt, darunter solche mit Nahrungsergänzungsmitteln.
Hypervitaminose Vergiftungszustand durch übermässige und anhaltende Zufuhr eines Vitamins, vor allem fettlöslich.

Wichtigste Punkte

  • Die EFSA legt die Höchstgrenze für Retinol auf 3 000 µg täglich für Erwachsene fest, einschliesslich Schwangerer (Turck et al., 2024).
  • Etwa 30 % der erwachsenen Schweizerinnen und Schweizer konsumieren mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel; die BLV-Umfrage 2023 dokumentierte UL-Überschreitungen für Vitamin A, Vitamin B6 und Zink.
  • Für Vitamin D sind Fälle schwerer Hyperkalzämie dokumentiert, bis zu 594 ng/mL bei einem Jugendlichen nach einem Jahr freiwilliger Überdosierung (Gordon et al., 2025).
  • Tox Info Suisse erhielt zwischen 2014 und 2019 rund 1 200 Anfragen zu Nahrungsergänzungsmitteln und Sportprodukten, deren Mehrheit versehentliche Einnahmen bei Kleinkindern betraf.
Rotes Warnpiktogramm für Arzneimittelüberdosierung und geöffnete Kapselbox auf dunklem Hintergrund
Die chronische Überdosierung fettlöslicher Verbindungen und Mineralstoffe ist die am häufigsten von europäischen Ernährungswachsamkeitszentren gemeldete Nebenwirkung.

In der Schweiz konsumiert nahezu ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung regelmässig ein Nahrungsergänzungsmittel, gemäss der Umfrage des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), veröffentlicht im Schweizer Ernährungsbulletin 2023. Diese weite Verbreitung vervielfacht Situationen unbeabsichtigter Kumulation zwischen Multivitaminprodukten, gezielten Formulierungen und angereicherten Lebensmitteln. Unter den von den europäischen Giftinformationszentren dokumentierten Nebenwirkungen der Nahrungsergänzungsmittel bleibt die chronische Überdosierung die häufigste gemeldete Ursache für Leber-, Nieren- oder Knochenschäden.

Welche Mechanismen machen eine Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln gefährlich?

Warum reichern sich fettlösliche Vitamine im Körper an?

Vitamin A, D, E und K werden in der Leber und im Fettgewebe gespeichert, da sie im Gegensatz zu den B-Vitaminen und Vitamin C nicht wasserlöslich sind. Ihre Ausscheidung über den Urin ist vernachlässigbar, was bei längerer Zufuhr über die tolerierbare Höchstzufuhr (UL) hinaus ein Risiko toxischer Anreicherung schafft. Die Leber zentralisiert die Retinolspeicherung in Form von Retinylestern in den Sternzellen. Über diese Kapazität hinaus löst die Anreicherung oxidativen Stress und eine Aktivierung der Sternzellen aus, was langfristig zu einer Steatose und dann zu einer Leberfibrose führt[4]. Beispielsweise stellt Vitamin B6, obwohl wasserlöslich, eine Ausnahme dar mit einer dokumentierten peripheren Neurotoxizität des Nervensystems bei hohen Dauerdosen, was die gesundheitlichen Auswirkungen einer schlecht überwachten Vitaminsupplementierung verdeutlicht.

Wie führt die Selbstsupplementierung zur Dosiskumulation?

Eine Überdosis resultiert selten aus einem einzigen Produkt: sie entsteht durch die Kumulation mehrerer Supplemente, angereicherter Lebensmittel und einer normalen Ernährung. Die Mehrheit der Konsumierenden weiss nicht, dass derselbe Nährstoff in drei gleichzeitig eingenommenen Produkten vorkommen kann, da sie über die Zutaten jeder Referenz nicht korrekt informiert sind. Die BLV-Umfrage 2023 bei 1 282 erwachsenen Schweizerinnen und Schweizern erfasste 699 in sieben Tagen konsumierte Nahrungsergänzungsmittel; drei Teilnehmende überschritten die UL für Folsäure, ein weiterer für Vitamin A durch freiwillige Überschreitung der angegebenen Dosis, und drei für Zink durch Kumulation mehrerer Quellen[1]. Tox Info Suisse erhielt zwischen 2014 und 2019 rund 1 200 Anfragen zu Nahrungsergänzungsmitteln, Schlankheitsmitteln und Sportlernahrung, mit einem deutlichen jährlichen Häufigkeitsanstieg im Berichtszeitraum[2]. Dieser übermässige Konsum, mittlerweile eine verbreitete Praxis, spiegelt ein für die Allgemeinheit kaum sichtbares Marktproblem wider.

Welche Vitamine und Mineralstoffe bergen die am besten dokumentierten Überdosierungsrisiken?

Welche toxischen Wirkungen hat ein Vitamin-A-Überschuss?

Der chronische Überschuss an vorgebildetem Vitamin A (Retinol) verursacht Lebertoxizität, Knochenschmerzen und ein teratogenes Risiko bei Schwangeren, eine direkte Folge einer falsch dosierten Vitaminsupplementierung. Die 2025 veröffentlichte Übersicht von Pestalardo und Mitarbeitern beschreibt den histologischen Verlauf der Hypervitaminose A: Hepatozyten-Ballonierung, Aktivierung der Sternzellen, perisinusoidale Fibrose und schliesslich Zirrhose[4]. Frühe klinische Anzeichen umfassen Übelkeit, Anorexie, Knochenschmerzen und Hepatomegalie. Die EFSA hat die UL 2024 neu bewertet und für Erwachsene einschliesslich Schwangerer bei 3 000 µg Retinoläquivalent pro Tag belassen[3]. Frauen im gebärfähigen Alter wird empfohlen, den regelmässigen Verzehr von Lebertran und Tierleber, einer besonders retinolreichen konzentrierten Quelle, zu meiden, um das Toxizitätsrisiko zu begrenzen.

3 000 µg Das ist die tägliche obere Grenze für vorgebildetes Vitamin A, die die EFSA für Erwachsene festgelegt hat, einschliesslich Schwangerer, in ihrem wissenschaftlichen Gutachten von 2024. Quelle: Turck et al., EFSA Journal 2024

Warum ist Vitamin D eine der Hauptursachen für Vergiftungen?

Vitamin D zählt zu den häufigsten in Europa gemeldeten Ursachen einer Vergiftung durch Nahrungsergänzungsmittel, durch Fehlanwendung beim Säugling und Selbstsupplementierung mit hohen Dosen bei Jugendlichen und Erwachsenen, ein aktuelles Thema, das regelmässig von TF1 Info und der französischen Presse aufgegriffen wird. Ein US-amerikanischer klinischer Fall aus 2025 beschreibt einen 17-jährigen Jugendlichen mit schwerer Hyperkalzämie (korrigiertes Kalzium 13,2 mg/dL) nach einer hohen täglichen Einnahme von 14 045 IE Vitamin D3 über ein Jahr; der 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel erreichte 594 ng/mL bei einem Normalbereich von 30-100 ng/mL[5]. In Frankreich hat die Anses-Ernährungswachsamkeit mehrere pädiatrische Fälle schwerer Hyperkalzämie, Nephrokalzinose und Nierenschädigung bei Säuglingen dokumentiert, die mit potenziell gefährlichen, hochdosierten und im Internet gekauften Produkten (5 000 bis 10 000 IE pro Tropfen) supplementiert wurden[8]. Die Empfehlungen 2024 der Endocrine Society beschränken die Supplementierung nun auf Populationen mit dokumentiertem Risiko[6], um Überdosierung und ihre gesundheitsschädlichen Folgen zu vermeiden.

Tolerierbare Höchstzufuhrmengen (UL) und Hauptrisiken der wichtigsten Nährstoffe
Nährstoff UL Erwachsene (pro Tag) Hauptrisiko bei chronischer Überschreitung
Vorgebildetes Vitamin A 3 000 µg RE Lebertoxizität, Teratogenität, Knochenbrüchigkeit
Vitamin D 100 µg (4 000 IE) Hyperkalzämie, Nephrokalzinose, arterielle Verkalkungen
Vitamin B6 12 mg[12] Sensible periphere Neuropathie

Welche Bevölkerungsgruppen sind in der Schweiz am stärksten von Überdosierungen betroffen?

Warum sind Kinder besonders gefährdet?

Die Jüngsten sind für Überschüsse besonders anfällig: ihr geringeres Körpergewicht senkt die toxische Schwelle jedes Nährstoffs, und das spielerische oder süsse Aussehen vieler Produkte (Gummies, aromatisierte Sirupe) begünstigt eine versehentliche oder wiederholte Einnahme, die fälschlich mit einer Süssigkeit verwechselt wird. Eine 2025 veröffentlichte Studie der Berner Fachhochschule und des Schweizer Konsumentenschutzes zeigte, dass die meisten der in Supermärkten und Apotheken verkauften Nahrungsergänzungsmittel für Kinder Dosen über den für ihre Altersgruppe empfohlenen Nährstoffzufuhrmengen enthielten[10], mit einer grossen Zahl betroffener Referenzen. Tox Info Suisse meldet, dass nahezu zwei Drittel seiner 1 200 Anfragen zu Nahrungsergänzungsmitteln zwischen 2014 und 2019 versehentliche Einnahmen bei Kleinkindern betrafen[2]. Das BLV empfiehlt, eine pädiatrische Supplementierung systematisch einer fachlichen Beratung und einem vorherigen ärztlichen Rat zu unterziehen, in einer vorsichtigen Versorgungslogik.

Praktischer Tipp

Bei Säuglingen empfiehlt die Anses, Vitamin D in pharmazeutischer und arzneilicher Form gegenüber Nahrungsergänzungsmitteln zu bevorzugen: diese ärztlich verordnete Behandlung garantiert eine kontrollierte empfohlene Dosis und eine ausführliche Packungsbeilage, was im Internet und auf einem wenig regulierten Markt gekaufte Supplemente nicht immer bieten.

Unbedingt zu meidende Substanzen

2,4-Dinitrophenol (DNP), Dimethylamylamin (DMAA) und Roter Reisschimmel zählen zu den zu meidenden Substanzen und sind in nationalen Nahrungsergänzungsmitteln aufgrund ihrer Risiken einer schweren, mitunter tödlichen Vergiftung verboten. Der Verkauf hält sich auf bestimmten Internetseiten ausserhalb zugelassener Vertriebskanäle, ein nach wie vor aktuelles Problem der Regelumsetzung.

Welche Erwachsenengruppen verdienen verstärkte Überwachung?

Schwangere, multimedizierte ältere Personen unter chronischer Behandlung und Sportlerinnen und Sportler, die Protein- oder Stimulanzpräparate einnehmen, bilden die drei Erwachsenengruppen mit dem stärksten Toxizitätsrisiko. Eine retrospektive monozentrische chinesische Studie zu 17 946 Fällen arzneimittelinduzierter Hepatotoxizität zeigte, dass pflanzliche Supplemente bei Erwachsenen über 65 Jahre 26,29 % der Ursachen ausmachten, die führende ätiologische Klasse in dieser Altersgruppe[7], mit direkter Auswirkung auf das Verdauungssystem und die Leber. In der Schwangerschaft empfiehlt die Anses ausdrücklich, die Kumulation von Vitamin-D- und Iodzufuhren ohne biologische Kontrolle zu vermeiden[11]. Bei Sportlerinnen und Sportlern hat Tox Info Suisse 22 mittlere bis schwere Fälle im Zusammenhang mit Koffein erfasst, davon 17 mit Sport- oder Fitnessreferenzen, die Dosen über den von der EFSA empfohlenen 200 mg pro Einnahme enthielten[2], was Herzklopfen, Schlafstörungen und Bluthochdruck verursachen kann.

  • Säuglinge und Kleinkinder: enges toxisches Fenster, visuelle Attraktivität der süssen Gummies.
  • Schwangere: teratogenes Risiko (Vitamin A) und neonatale Hyperkalzämie (Vitamin D).
  • Multimedizierte ältere Personen: vielfache Wechselwirkungen und durch Pflanzen erhöhte Lebertoxizität.
  • Sportlerinnen und Sportler: Koffein, Kreatin und Stimulanzien mit kumulierten Dosen über den EFSA-Schwellen.
  • Jugendliche: Selbstsupplementierung mit „Leistungsdosen“ ohne biologische Kontrolle.
  • Online-Käufer: nicht konforme Dosierungen oder verbotene Substanzen in Produkten ausserhalb des Schweizer Vertriebskanals.

Wie kann man eine Überdosierung vermeiden und was tun bei Symptomen?

Welche Anwendungsregeln begrenzen das Überdosierungsrisiko?

Die Kurdauer begrenzen, Referenzen mit denselben Nährstoffen nicht kumulieren und das Etikett sowie die Zutaten jeder konsumierten Referenz prüfen bleiben die drei wirksamsten Präventionshebel gegen das Überdosierungsrisiko. Die systematische Supplementierung einer gesunden Person ist laut BLV nicht sinnvoll und nicht gerechtfertigt: Nahrungsergänzungsmittel, die als Lebensmittel gelten, ersetzen keine gesunde und ausgewogene Ernährung, und ihre Einnahme muss auf einem dokumentierten Bedarf beruhen (bestätigter Vitaminmangel, spezifischer physiologischer Zustand, eingeschränkte Ernährung). Eine chemische Analyse vermarkteter Produkte durch das US-amerikanische DILIN-Netzwerk zeigte, dass von 54 neu bewerteten Fällen von Hepatotoxizität 37 % nach Überprüfung der tatsächlichen Zusammensetzung eine höhere Kausalitätsbewertung erhielten, davon 70 % vom Status „wahrscheinlich“ zu „hochwahrscheinlich“ aufstiegen[9]. Diese Diskrepanz zwischen Etikett und tatsächlichem Inhalt ist bei pflanzlichen Supplementen häufig, was die Beratung durch eine Fachperson vor jedem Kauf sinnvoll macht.

  • Die in allen konsumierten Referenzen enthaltenen Nährstoffe gedanklich addieren (Multivitamin + Zielprodukt + angereicherte Lebensmittel).
  • Jede Kur auf die vom Hersteller oder einer Gesundheitsfachperson angegebene Dauer beschränken.
  • Für Vitamin D beim Säugling das Arzneimittel dem Nahrungsergänzungsmittel vorziehen.
  • Supplemente wie jedes Gesundheitsprodukt ausserhalb der Reichweite von Kleinkindern aufbewahren.
  • Jede Nebenwirkung einer Ärztin oder einer Apothekerin melden.

Welche Zeichen müssen alarmieren und zu einer Konsultation führen?

Ungeklärte Müdigkeit, anhaltende Übelkeit, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Gewichts- oder Haarverlust, gelbliche Verfärbung der Haut oder ungewöhnlicher Durst erfordern hohe Aufmerksamkeit, den sofortigen Stopp aller Supplementeinnahmen und führen ohne Verzug zur Konsultation einer Fachperson. Frühe Anzeichen einer Vergiftung mit fettlöslichen Verbindungen sind wenig spezifisch: Übelkeit, Appetitverlust, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Knochen- oder Gelenkschmerzen[4]. Die durch Vitamin-D-Überschuss bedingte Hyperkalzämie äussert sich in Polyurie, Polydipsie, Verdauungsstörungen und im fortgeschrittenen Stadium in Herzbeschwerden[5]. In der Schweiz ist Tox Info Suisse, der Lebensmittel-Gesundheitsdienst, unter der Nummer 145 rund um die Uhr live erreichbar, zu jeder Stunde, bei jedem Verdacht auf eine akute, durch ein Nahrungsergänzungsmittel verursachte Vergiftung.

Häufig gestellte Fragen

Ist es gefährlich, zu viele Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen?

Ja, eine chronische Überdosierung führt zu dokumentierten Nebenwirkungen. Fettlösliche Vitamine A, D, E und K und bestimmte Mineralstoffe wie Eisen, Selen und Zink reichern sich im Körper an und können toxische Schwellen erreichen. Das BLV meldet Leber-, Nieren-, Knochen- und Herz-Kreislauf-Risiken bei übermässiger, anhaltender Zufuhr. Besondere Vorsicht gilt bei Kindern, Schwangeren und multimedizierten Personen.

Wie viele Nahrungsergänzungsmittel darf man pro Tag einnehmen?

Keine Produktanzahl ist an sich sicher: zählt nur die Gesamtzufuhr jedes Nährstoffs im Vergleich zur tolerierbaren Höchstzufuhr (UL) der EFSA. Für Vitamin A beträgt die UL für Erwachsene 3 000 µg pro Tag; für Vitamin D 100 µg (4 000 IE). Die BLV-Umfrage 2023 zeigt, dass Überschreitungen vor allem durch Kumulation mehrerer Produkte und nicht durch ein einzelnes Produkt entstehen. Im Zweifelsfall eine apothekerische Beratung einholen.

Welche Vitamine sind bei Überdosierung am riskantesten?

Die Rolle der Vitamine reicht vom Energiestoffwechsel bis zur Unterstützung des Immunsystems, doch die fettlöslichen A, D, E und K bergen bei Überschuss das höchste Risiko, da sie sich in Leber und Fettgewebe anreichern. Vitamin A kann Lebertoxizität und fötale Fehlbildungen verursachen; Vitamin D Hyperkalzämie und Nephrokalzinose. Vitamin B6, obwohl wasserlöslich, ist bei hohen Dauerdosen über 12 mg pro Tag laut EFSA 2023 neurotoxisch. Vitamin C und die meisten B-Vitamine werden über den Urin ausgeschieden, mit geringem Toxizitätsrisiko.

Kann ein Überschuss an Vitamin B12 gefährlich sein?

Nein, für Vitamin B12 ist keine tolerierbare Höchstzufuhr (UL) definiert, da bei gesunden Personen in hohen Dosen keine Nebenwirkungen nachgewiesen wurden. Das BLV hält dennoch in der Schweiz einen gesetzlichen Höchstgehalt von 7,5 µg pro Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln aufrecht. Der Überschuss wird über die Nieren ausgeschieden. Eine hohe Dosierung kann medizinisch bei Resorptionsstörungen oder veganer Ernährung gerechtfertigt sein.

Was tun bei Symptomen einer Überdosierung?

Sofort alle laufenden Nahrungsergänzungskuren absetzen und unverzüglich eine Ärztin oder einen Apotheker aufsuchen. Die Verpackungen der konsumierten Produkte aufbewahren, um die verursachenden Nährstoffe leichter zu identifizieren. Bei akuten Symptomen (wiederholtes Erbrechen, Herzbeschwerden, Verwirrtheit) Tox Info Suisse unter 145 oder den Notruf kontaktieren. Anschliessend die Nebenwirkung der Gesundheitsfachperson zur Rückverfolgbarkeit melden.

Bergen Multivitaminpräparate ein Kumulationsrisiko?

Ja, Multivitamine sind die Hauptursache unbeabsichtigter Überdosierungen, da sie gleichzeitig mehrere risikobehaftete Nährstoffe enthalten (Vitamine A, D, B6, Eisen, Zink). Die BLV-Umfrage 2023 stellte fest, dass nahezu zwei Drittel (66,7 %) der in der Schweiz konsumierten Nahrungsergänzungsmittel Vitamine, Mineralstoffe oder eine Kombination beider enthalten. Die Kombination eines Multivitamins mit einem gezielten Produkt (Vitamin D allein, Eisen allein) oder mit angereicherten Lebensmitteln vervielfacht das Risiko, die tolerierbare Höchstzufuhr zu überschreiten.

Quellen und Referenzen

12 Quellen
  1. Solliard C., Benzi Schmid C., König S.L.B. (2023) — Der Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln in der Schweiz — Schweizer Ernährungsbulletin 2023, BLV — nationale Studie bei 1 282 Erwachsenen
  2. BLV — Anfragen an Tox Info Suisse zu Nahrungsergänzungsmitteln (2014-2019) — Bundesamt für Lebensmittelsicherheit — nationaler epidemiologischer Bericht
  3. Turck D. et al. (2024) — Tolerable upper intake level for preformed vitamin A and β-carotene — EFSA Journal — DOI: 10.2903/j.efsa.2024.8814
  4. Pestalardo M.L., Bevilacqua C.S., Amante M.F. (2025) — Vitamin A toxicity and hepatic pathology — World Journal of Hepatology — narrative Übersicht — DOI: 10.4254/wjh.v17.i8.107738
  5. Gordon L., Zipursky R., Cheung C.C., Sasidharan Pillai S. (2025) — Vitamin D Intoxication in an Adolescent due to Over-Supplementation — AACE Endocrinology and Diabetes — Fallstudie — DOI: 10.1016/j.aed.2025.10.008
  6. Vasil N., Razzaque M.S. (2026) — Decoding Vitamin D Intake: How Much Is Too Much? — Adv Exp Med Biol — Analyse der Empfehlungen der Endocrine Society 2024 — DOI: 10.1007/978-3-032-04357-3_2
  7. Yu S. et al. (2024) — Age-related differences in drug-induced liver injury (DILI) — Hepatology International — retrospektive monozentrische Studie 17 946 Fälle — DOI: 10.1007/s12072-024-10679-1
  8. Anses (2022) — Gutachten zu neuen Fällen von Vitamin-D-Vergiftungen bei Säuglingen — Nationale Behörde für Gesundheitssicherheit — Ernährungswachsamkeit
  9. Halegoua-DeMarzio D. et al. (2024) — Chemical Analysis in Causality Assessment of Herbal and Dietary Supplement-Induced Liver Injury — Drug Safety, US DILIN Network — DOI: 10.1007/s40264-024-01484-8
  10. RTS / Chatelan A. (2025) — Vitaminüberdosierung bei Kindern: Risiken und Vorsichtsmassnahmen — Sendung „On en parle“ vom 29. April 2025, Studie BFH Bern / Konsumentenschutz
  11. Anses (2024) — Nahrungsergänzungsmittel und Schwangerschaft: Die Vervielfachung von Vitamin- und Mineralstoffquellen vermeiden — Gutachten der nationalen Gesundheitssicherheitsbehörde — endokrine und metabolische Risiken
  12. Turck D. et al. (2023) — Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin B6 — EFSA Journal — UL-B6-Revision auf 12 mg/Tag — DOI: 10.2903/j.efsa.2023.8006

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