Vorsorge statt Korrektur: Wie Nahrungsergänzungsmittel zu einer Säule der täglichen Gesundheit wurden

Das Wichtigste in Kürze

Lange Zeit hat man die Gesundheit gepflegt, indem man reparierte: Man wartete auf das Symptom, um zu handeln. Eine andere Logik setzt sich durch — sein Terrain täglich pflegen, statt im Nachhinein zu korrigieren. In diesem vorsorgenden Ansatz finden Nahrungsergänzungsmittel einen genauen Platz: nicht als Säule, die den Lebensstil ersetzt, sondern als gezielte Unterstützung, wenn die Ernährung einen Bedarf nicht decken kann — Vitamin D im Winter, B12 bei vegan lebenden Menschen, Folat vor einer Schwangerschaft. Weder Wundermittel noch Spielerei: eine nützliche Ergänzung, sofern man auf das zielt, was wirklich fehlt.

Schlüsselfakten

Vorsorge beginnt mit dem Lebensstil Abwechslungsreiche Ernährung, Schlaf, Bewegung, Stressbewältigung: Das sind die wahren Grundlagen. Das Nahrungsergänzungsmittel kommt unterstützend hinzu, niemals an deren Stelle.
Mängel gibt es, selbst in der Schweiz Man schätzt, dass einem grossen Teil der Bevölkerung im Winter Vitamin D fehlt und fast jeder fünften Frau im gebärfähigen Alter Folat.
Vor allem für bestimmte Profile nützlich Wenig Sonnenkontakt, vegane Ernährung, Schwangerschaft, höheres Alter, intensiver Sport: Hier ergibt ein gezieltes Nahrungsergänzungsmittel Sinn.
Ein Lebensmittel, kein Arzneimittel In der Schweiz beugt ein Nahrungsergänzungsmittel keiner Krankheit vor, behandelt oder heilt keine. Es kann nur «zu einer normalen Funktion» des Organismus beitragen.

Wesentliche Punkte

  • Vorsorgen heisst, sein Terrain täglich zu pflegen; korrigieren heisst, zu handeln, wenn das Problem bereits da ist.
  • Nahrungsergänzungsmittel gleichen unzureichende Zufuhren aus, sie ersetzen keine ausgewogene Ernährung.
  • Vitamin D im Winter ist auf unserem Breitengrad einer der am besten begründeten vorsorgenden Einsätze.
  • Der Nutzen hängt vom Profil ab: gezielt hilft ein Nahrungsergänzungsmittel; «für alles» eingenommen, sinkt sein Nutzen.
  • Qualität zuerst: passende Dosierung, gut aufgenommene Form, klare Etikettierung, BLV-Kontrolle, keine Megadosen.
Nahrungsergänzungsmittel, Früchte und ein Glas Wasser auf einem Tisch, Darstellung einer täglichen präventiven Gesundheitsroutine
Vorsorge spielt sich zuerst auf dem Teller und im Lebensstil ab; das Nahrungsergänzungsmittel kommt als gezielte Unterstützung hinzu (Illustration).

Jahrzehntelang bedeutete Gesundheitspflege vor allem reparieren: Man suchte Hilfe, sobald der Schmerz oder die Krankheit da war, und korrigierte. Diese Logik der Korrektur bleibt unverzichtbar — aber sie hat einen blinden Fleck. Sie greift spät, wenn sich das Terrain bereits verschlechtert hat.

Ein anderer Ansatz gewinnt an Boden: die Vorsorge. Nicht auf das Problem warten, sondern täglich die Grundlagen von Gesundheit und Wohlbefinden pflegen, um das Risiko zu verringern, überhaupt so weit zu kommen. In diesem Rahmen haben sich Nahrungsergänzungsmittel in vielen Routinen einen Platz erobert. Aber welchen genau? Sind sie zu einer echten «Säule» des Alltags geworden oder ein blosser Marketingreflex? Dieser Artikel sortiert, gestützt auf über PubMed geprüfte Studien und die Schweizer Regelung — ohne etwas zu versprechen, was Nahrungsergänzungsmittel nicht halten können.

Von der Korrektur zur Vorsorge: ein veränderter Blick

Was ist konkret der Unterschied?

Korrigieren heisst, einzugreifen, sobald die Störung aufgetreten ist: Man behandelt, was bereits nicht mehr stimmt. Vorsorgen heisst, vorgelagert zu handeln, auf dem Terrain, damit es möglichst lange stabil bleibt. Beides ist nützlich und ergänzt sich: Die heilende Medizin rettet Leben; die Vorsorge sucht, die Häufigkeit und Schwere von Problemen zu verringern, bevor sie sich einnisten.

Warum dieser Wandel jetzt?

Weil sich unser Lebensstil verändert hat. Bewegungsmangel, oft verarbeitete Ernährung, chronischer Stress, reduzierter Sonnenkontakt: lauter Faktoren, die langsam auf den Organismus drücken. Angesichts dessen versuchen viele Menschen, im Alltag wieder das Heft in die Hand zu nehmen, mit einfachen und regelmässigen Handlungen statt mit späten Korrekturen. Nahrungsergänzungsmittel haben sich in diese Bewegung eingefügt — manchmal zu Recht, manchmal über das hinaus, was die Wissenschaft stützt. Daher das Interesse an einem klaren Rahmen.

Der Leitgedanke

Vorsorge ist keine Pille. Sie ist zuerst eine Summe von Gewohnheiten: gut essen, gut schlafen, sich bewegen, mit Stress umgehen, Bindungen pflegen. Das Nahrungsergänzungsmittel ist nur ein Werkzeug unter anderen, nützlich wenn eine bestimmte Zufuhr fehlt — keine Abkürzung, um sich das Übrige zu ersparen.

Die Säulen der Gesundheit und wo die Nahrungsergänzungsmittel stehen

Was sind die wahren Säulen der Gesundheit?

Man liest oft Listen von «4», «5» oder «6 Säulen der Gesundheit». Es gibt keine einzige offizielle Liste, aber dieselben Grundlagen kehren immer wieder. Sie bilden das Fundament, auf das sich alles Übrige stützt.

Säule Was sie umfasst Platz der Nahrungsergänzungsmittel
Ernährung Ein abwechslungsreicher Teller, reich an Pflanzlichem, wenig verarbeitet Ergänzend, falls ein Nährstoff trotzdem fehlt
Schlaf Ausreichende Dauer und Regelmässigkeit Marginal; die Schlafhygiene hat Vorrang
Körperliche Aktivität Sich regelmässig bewegen, Bewegungsmangel begrenzen Mögliche Unterstützung bei erhöhtem Bedarf (Sport)
Stressbewältigung Mentale Erholung, Atmung, Pausen Begrenzt; kein Ersatz für Erholung
Soziale Bindung Beziehungen, Umfeld, Sinn Keine

Ist das Nahrungsergänzungsmittel eine eigenständige Säule?

Ehrlich gesagt, nein — und das ist wichtig zu sagen. Kein Nahrungsergänzungsmittel gleicht einen chronisch unzureichenden Schlaf, eine arme Ernährung oder dauerhaften Stress aus. Es als «Säule» zu sehen, die einen vom Rest entbinden würde, wäre ein Fehler. Hingegen spielt es innerhalb der Säule Ernährung eine reale und klar abgegrenzte Rolle: eine Zufuhr ausgleichen, die der Teller nicht deckt, in bestimmten Situationen. Es ist diese unterstützende Rolle, und nur sie, die seinen Platz in einer Vorsorgeroutine rechtfertigt.

Warum Mängel trotz Überfluss?

Wie kann man an Nährstoffen mangeln, obwohl man sich satt isst?

Es ist das Paradox der Überflussgesellschaften: Man kann genügend Kalorien zu sich nehmen und trotzdem an bestimmten Mikronährstoffen mangeln — jenen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, die in kleinen Mengen nötig sind. Eine stark verarbeitete Ernährung liefert Energie, aber wenig Nährstoffdichte. Hinzu kommen Lebensstilfaktoren: wenig Sonnenkontakt, Tabak, bestimmte Medikamente oder ein erhöhter Bedarf in gewissen Lebensphasen.

Welche Mängel beobachtet man, selbst in der Schweiz?

Der sprechendste Fall ist das Vitamin D. Auf dem Breitengrad der Schweiz ist die Wintersonne zu schwach, als dass die Haut genug davon bilden könnte: Die verfügbaren Arbeiten schätzen, dass einem bedeutenden Teil der Bevölkerung davon fehlt, vor allem zwischen Herbst und Frühling[2]. Und das steht nicht allein da: Auf europäischer Ebene ist die Vitamin-D-Zufuhr in den meisten Ländern weitgehend unzureichend[1]. Ein weiteres Schweizer Beispiel, das Folat (Vitamin B9, als Folsäure ergänzt): Eine Studie fand einen unzureichenden Status bei fast jeder fünften Frau im gebärfähigen Alter, ein Schlüsselpunkt vor und zu Beginn einer Schwangerschaft[3]. Auch bei Jod kann die Zufuhr knapp werden — ein Grund, weshalb Speisesalz in der Schweiz seit Langem mit Jod angereichert wird.

40 bis 50 % der Schweizer Bevölkerung soll an Vitamin D mangeln. Das ist die geschätzte Grössenordnung, mit einem ausgeprägten Tief im Winter, wenn die Sonne nicht mehr zur Bildung ausreicht. Genug, um die winterliche Zufuhr zu einer der am besten begründeten Vorsorgehandlungen zu machen. Quelle: Schätzung, zitiert in einer Schweizer Studie, Swiss Medical Weekly (2020)

Diese Zahlen sagen nicht, dass «jeder alles supplementieren muss». Sie sagen etwas Genaueres: Manche Zufuhren sind allein über die Ernährung schwer zu erreichen, in bestimmten Jahreszeiten oder für bestimmte Profile. Genau hier ergibt ein vorsorgender, massvoller Ansatz seinen Sinn.

Die Nährstoffe des Alltags: was die Wissenschaft sagt

Was kann man — und nicht — über jeden sagen?

Hier sind die am häufigsten mit einem vorsorgenden Vorgehen verbundenen Nährstoffe, mit dem, was die Studien wirklich stützen, und der entsprechenden zugelassenen gesundheitsbezogenen Angabe. Das Prinzip: eine vorsichtige Formulierung, kalibriert auf das Niveau der Evidenz.

Nährstoff Was die Forschung stützt Zugelassene Angabe (Beispiel)
Vitamin D Zufuhr im Winter auf unserem Breitengrad oft unzureichend Trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei
Magnesium Beteiligt an Muskel, Nervensystem und Energie Trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung sowie zu einer normalen Muskelfunktion bei
Omega-3 (EPA/DHA) Aktive, noch debattierte Herz-Kreislauf-Forschung EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei
Vitamin B12 Niedrige Zufuhr bei veganer Ernährung häufig Trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel und zur Verringerung von Müdigkeit bei
Fermente / Mikrobiom Fermentierte Lebensmittel auf die Vielfalt des Mikrobioms untersucht In der EU ist keine «Probiotika»-Angabe als gesundheitsbezogene Angabe zugelassen

Vitamin D, die Priorität des Winters

Es ist der Nährstoff, bei dem das vorsorgende Argument bei uns am stärksten ist. Da die Wintersonne nicht ausreicht, um genug davon zu bilden, ist eine regelmässige Zufuhr von Oktober bis März eine sinnvolle Massnahme. Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems und zur Erhaltung normaler Knochen bei. Im Zweifelsfall ermöglicht eine Blutmessung, die Dosis mit einer Fachperson anzupassen, statt aufs Geratewohl zu zielen.

Magnesium, Unterstützung von Muskel und gegen Müdigkeit

Magnesium ist an zahlreichen Reaktionen des Organismus beteiligt. Die zugelassenen Angaben sind aussagekräftig: Es trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei, zu einer normalen Muskelfunktion, zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zu einer normalen psychischen Funktion. Eine Nuance der Ehrlichkeit hingegen: Es ist kein Mittel gegen Krämpfe. Ausserhalb eines echten Mangels kommt eine massgebliche Übersichtsarbeit zu dem Schluss, dass eine Magnesium-Ergänzung bei Erwachsenen wahrscheinlich keinen klinisch nützlichen Vorteil bei Krämpfen bringt[10]. Magnesium unterstützt ein Terrain; es «heilt» kein Symptom.

Omega-3, zwischen Herz und Gehirn

Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA), vor allem in fettem Fisch enthalten, sind Gegenstand intensiver Herz-Kreislauf-Forschung. Eine grosse Analyse mit mehr als 130 000 Personen beobachtete ein leicht verringertes Risiko für kardiale Ereignisse bei einer Omega-3-Supplementierung[5]; ein Signal, das in einer anderen Analyse bei Menschen mit Diabetes wiedergefunden wurde[6]. Das Feld bleibt debattiert, und diese Ergebnisse gehören zur Forschung, nicht zu einem Produktversprechen. Bei der zugelassenen Angabe tragen EPA und DHA zu einer normalen Herzfunktion bei (bei einer ausreichenden täglichen Zufuhr).

Vitamin B12, unverzichtbar bei bestimmten Ernährungsweisen

Vitamin B12 findet sich fast ausschliesslich in Produkten tierischen Ursprungs. Menschen, die sich vegan ernähren, weisen daher oft einen niedrigeren Wert auf: Eine Übersicht von Studien bei Kindern und Jugendlichen hat dies bestätigt, vor allem bei veganer Ernährung[4]. In diesem Fall ist ein Nahrungsergänzungsmittel kein Komfort, sondern eine anerkannte Notwendigkeit. B12 trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel, zur Verringerung von Müdigkeit und zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei — eine grundlegende Unterstützung, nicht zu verwechseln mit einem sofortigen «Energieschub».

Das Mikrobiom, die Spur der fermentierten Lebensmittel

Unser Darm beherbergt ein Mikrobiom — die Gesamtheit der Mikroorganismen, die ihn bevölkern — dessen Gleichgewicht die Forschung sehr interessiert. Ein bedeutender Versuch verglich zwei Ernährungsweisen: jene reich an fermentierten Lebensmitteln (Joghurt, Kefir, milchsauer vergorenes Gemüse) erhöhte die Vielfalt des Mikrobioms und senkte mehrere Entzündungsmarker[7]. Achtung jedoch: Es handelte sich um Lebensmittel, nicht um Nahrungsergänzungsmittel, und in der Europäischen Union darf der Begriff «Probiotika» nicht als gesundheitsbezogene Angabe dargestellt werden. Ein Nahrungsergänzungsmittel mit Fermenten kann dieses Vorgehen begleiten, aber ohne Versprechen eines medizinischen Nutzens.

Für wen sind Nahrungsergänzungsmittel wirklich nützlich?

Warum hängt der Nutzen vom Profil ab?

Weil ein Nahrungsergänzungsmittel nur das «auffüllt», was fehlt. Für eine gesunde Person, die abwechslungsreich isst und sich ein wenig der Sonne aussetzt, bringt das Hinzufügen eines bereits in ausreichender Menge vorhandenen Nährstoffs in der Regel nicht viel. Umgekehrt haben bestimmte Profile Bedürfnisse, die schwerer zu decken sind: Hier wird der Nutzen greifbar.

Profil Oft zu beobachtende Zufuhr Warum
Wenig Sonnenkontakt Vitamin D Unzureichende Bildung in der Haut, besonders im Winter
Vegane Ernährung Vitamin B12 (manchmal Eisen, Omega-3) B12 in Pflanzlichem fast nicht vorhanden
Kinderwunsch / Schwangerschaft Folat (B9) Erhöhter Bedarf zu Beginn der Schwangerschaft
Ältere Menschen Vitamin D, B12, Proteine Aufnahme und Synthese nehmen mit dem Alter ab
Intensiver Sport Magnesium, Proteine, Eisen Erhöhter Bedarf und erhöhte Verluste bei Belastung
Sonderfälle, ärztlicher Rat. Schwangerschaft, Stillzeit, chronische Krankheit, Langzeitbehandlung, Säuglinge und Kinder: Diese Situationen lassen sich nicht mit online gekauften Nahrungsergänzungsmitteln improvisieren. Ein Arzt, ein Apotheker oder eine Ernährungsberaterin hilft, den richtigen Nährstoff in der richtigen Dosis zu wählen, ohne Wechselwirkung mit einer Behandlung.

Und für «alle», im Alltag?

Ausserhalb dieser Profile ist der Nutzen einer breiten Supplementierung geringer — aber dennoch nicht null. Ein Multivitamin kann als Sicherheitsnetz gegen kleine unzureichende Zufuhren dienen. Man muss nur das rechte Mass wahren: Es ist eine Ergänzung, keine Garantie. Der grösste Teil des Gesundheitsnutzens bleibt, und das bei Weitem, auf der Seite des Tellers und des Lebensstils.

Was ein Nahrungsergänzungsmittel kann — und nicht kann

Was sagt das Schweizer Recht?

Die Antwort ist klar und strukturiert alles Übrige. In der Schweiz ist ein Nahrungsergänzungsmittel ein Lebensmittel, kein Arzneimittel. Es wird vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) geregelt. Unmittelbare Folge: Es darf einer Krankheit weder vorbeugen noch sie behandeln oder heilen, und keine Werbung darf dies andeuten. Dieselbe Logik gilt in der Europäischen Union.

Was darf es also geltend machen?

Nur zugelassene gesundheitsbezogene Angaben (englisch «Health Claims»), einer offiziellen Liste entnommen und vorsichtig formuliert: «trägt zu einer normalen Funktion» des Organismus bei. Zum Beispiel «Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei» oder «Magnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei». Die Nuance ist nicht kosmetisch: Sie markiert die Grenze zwischen ehrlichem Informieren und dem Versprechen des Unmöglichen.

Soll man spektakulären Versprechen glauben?

Nein. Ein Produkt, das behauptet, «das Immunsystem zu stärken», zu «entgiften», «Fett zu verbrennen» oder einer bestimmten Krankheit «vorzubeugen», fällt aus dem rechtlichen Rahmen und aus dem, was die Wissenschaft stützen kann. Selbst die ermutigendste Forschung bleibt massvoll: In einer grossen amerikanischen Studie bei Senioren hat ein tägliches Multivitamin das Gedächtnis im Vergleich zu einem Placebo leicht verbessert — ein realer, aber bescheidener Effekt, auf globaler Ebene durch eine Analyse mehrerer Teilstudien bestätigt[8][9]. Gut zu wissen, aber weit von einem Versprechen ewiger Jugend entfernt.

Das Warnsignal

Wenn ein Etikett oder eine Werbung verspricht, eine Krankheit zu heilen, ihr vorzubeugen oder sie zu behandeln, ist das eine rote Flagge: Weder das Schweizer noch das europäische Recht erlaubt dies für ein Nahrungsergänzungsmittel. Eine ehrliche Kommunikation beschränkt sich auf die normalen Funktionen des Organismus und löscht niemals die Rolle des Arztes aus.

Gut wählen und sicher einnehmen

Wie erkennt man ein hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel?

Einige einfache Anhaltspunkte machen den Unterschied. Prüfen Sie die tatsächliche Dosierung im Verhältnis zu den Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr (Nährstoffbezugswerte, NRV), die Form des Nährstoffs (manche, wie Magnesiumbisglycinat, werden besser aufgenommen), die Klarheit der Etikettierung und die Herkunft. In der Schweiz sind Nahrungsergänzungsmittel Lebensmittel, die der Kontrolle des BLV unterliegen: Ein Hersteller, der transparent über seine Zusammensetzung und seine Kontrollen ist, weckt mehr Vertrauen als ein marktschreierisches Versprechen.

Mehr Dosen, ist das besser?

Nein, das ist sogar eine häufige Falle. Die meisten Vorteile erzielt man bei vernünftigen Dosen, nahe am Bedarf. Darüber hinaus steigert man den Nutzen nicht — und bestimmte fettlösliche Vitamine (Vitamin D, Vitamin A) können sich in hohen Dosen anreichern. Das Risiko kommt vor allem von der Überdosierung, von der Kombination mehrerer Produkte, die sich überschneiden, oder von einer Wechselwirkung mit einem Medikament — bis hin zu unerwünschten Nebenwirkungen.

Wie integriert man es in eine Vorsorgeroutine?

Auf gezielte und regelmässige Weise. Man geht von seinem tatsächlichen Bedarf aus (Jahreszeit, Ernährung, Profil), wählt eine oder zwei relevante Zufuhren statt einer Anhäufung und fügt sie in einen Lebensstil ein, der die Grundlage bleibt. Ein gut gewähltes Nahrungsergänzungsmittel ist eine kleine, wiederholte Handlung im Dienst des Terrains — keine Pflichtübung mit zehn Kapseln und keine Versicherung gegen die Exzesse des Übrigen.

Die goldene Regel

Kümmern Sie sich zuerst um die Grundlagen: abwechslungsreicher Teller, Schlaf, Bewegung, Stressbewältigung. Fügen Sie danach ein Nahrungsergänzungsmittel dort hinzu, wo eine Zufuhr wirklich fehlt, in vernünftiger Dosis, und holen Sie bei einer Behandlung, Schwangerschaft oder Krankheit den Rat einer Fachperson ein. So wird Vorsorge konkret, ohne in Übertreibung zu verfallen.

Häufige Fragen

Was sind die Säulen der Gesundheit?

Es gibt keine einzige offizielle Liste, aber dieselben Grundlagen kehren immer wieder: eine abwechslungsreiche Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmässige körperliche Aktivität, Stressbewältigung und soziale Bindungen. Einige Modelle ergänzen den Verzicht auf Tabak und einen massvollen Alkoholkonsum. Nahrungsergänzungsmittel sind keine eigenständige Säule: Sie unterstützen diese Grundlagen, um eine unzureichende Zufuhr auszugleichen, niemals an deren Stelle.

Vorsorge oder Korrektur: Welcher Unterschied für meine Gesundheit im Alltag?

Korrigieren heisst, zu handeln, wenn das Problem bereits da ist. Vorsorgen heisst, sein Terrain täglich zu pflegen, um das Risiko zu verringern, überhaupt so weit zu kommen. Konkret beginnt die Vorsorge mit dem Lebensstil: was man isst, wie man schläft, sich bewegt und mit Stress umgeht. Nahrungsergänzungsmittel können sich in diese vorsorgende Logik einfügen, indem sie Zufuhren abdecken, die allein über die Ernährung manchmal schwer zu erreichen sind, wie Vitamin D im Winter.

Sind Nahrungsergänzungsmittel wirklich nützlich?

Das hängt von der Person und vom Nährstoff ab. Sie sind vor allem dann nützlich, wenn eine Zufuhr tatsächlich unzureichend ist: Vitamin D im Winter, Vitamin B12 bei vegan lebenden Menschen, Folat vor und während einer Schwangerschaft. Für eine gesunde Person, die abwechslungsreich isst, bringen viele Nahrungsergänzungsmittel nur einen begrenzten Nutzen. Es geht nicht darum, sie «für alles» einzunehmen, sondern gezielt das auszugleichen, was wirklich fehlt.

Können Nahrungsergänzungsmittel eine ausgewogene Ernährung ersetzen?

Nein, und das ist sogar im Schweizer Recht verankert: Ein Nahrungsergänzungsmittel ist ein Lebensmittel, das die Ernährung ergänzen, nicht ersetzen soll. Ein abwechslungsreicher Teller liefert Ballaststoffe, Proteine und Tausende von Verbindungen, die keine Kapsel nachbildet. Das Nahrungsergänzungsmittel hat eine ergänzende, gezielte Rolle, wenn die Ernährung einen bestimmten Bedarf nicht decken kann.

Sollte man im Winter in der Schweiz Vitamin D einnehmen?

Das ist einer der am besten begründeten Fälle. Auf dem Breitengrad der Schweiz reicht die Wintersonne nicht aus, um genug Vitamin D zu bilden, und Studien schätzen, dass ein grosser Teil der Bevölkerung davon zu wenig hat, vor allem von Oktober bis März. Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems und zur Erhaltung normaler Knochen bei. Eine Zufuhr im Winter ist eine sinnvolle Vorsorgemassnahme; im Zweifelsfall lassen sich mit einer Blutmessung und dem Rat einer Fachperson die Dosis anpassen.

Für wen sind Nahrungsergänzungsmittel am nützlichsten?

Für bestimmte Profile: Menschen mit wenig Sonnenkontakt für Vitamin D, Vegetarier oder Veganer für Vitamin B12, Frauen, die eine Schwangerschaft planen, für Folat, Senioren, deren Aufnahme nachlässt, und Sportler mit erhöhtem Bedarf. Für diese Situationen ergibt ein gezieltes Nahrungsergänzungsmittel Sinn. Ausserhalb davon ist der Nutzen geringer: Besser kümmert man sich zuerst um den Teller und den Lebensstil.

Kann ein Nahrungsergänzungsmittel einer Krankheit vorbeugen?

Nein. Ein Nahrungsergänzungsmittel darf rechtlich gesehen einer Krankheit weder vorbeugen noch sie behandeln oder heilen: Es handelt sich um Lebensmittel, nicht um Arzneimittel. Sie dürfen nur zugelassene gesundheitsbezogene Angaben tragen, formuliert als «trägt zu einer normalen Funktion» des Organismus bei. Jedes Versprechen, eine bestimmte Krankheit zu heilen oder davor zu schützen, sollte aufhorchen lassen: Es entspricht nicht der schweizerischen und europäischen Regelung.

Bringt ein tägliches Multivitamin etwas?

Es kann helfen, kleine unzureichende Zufuhren auszugleichen, ohne eine Gesundheitsgarantie zu sein. In einer grossen amerikanischen Studie bei Senioren hat ein tägliches Multivitamin das Gedächtnis im Vergleich zu einem Placebo leicht verbessert, mit einem bescheidenen Effekt. Es ist kein Wundermittel und ersetzt nicht eine gute Ernährung. Ein Multivitamin versteht sich als Sicherheitsnetz für die Mikronährstoffe, nicht als Ersatz für die Ernährung.

Wie wählt man ein hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel?

Achten Sie auf die tatsächliche Dosierung im Verhältnis zu den Nährstoffbezugswerten, die Form des Nährstoffs (manche werden besser aufgenommen), die Klarheit der Etikettierung und die Herkunft. In der Schweiz sind Nahrungsergänzungsmittel Lebensmittel, die der Kontrolle des BLV unterliegen: Bevorzugen Sie ein Produkt, das transparent über seine Zusammensetzung und Herstellung ist. Vermeiden Sie spektakuläre Versprechen und «Megadosen» ohne Begründung; mehr ist nicht besser.

Bergen Nahrungsergänzungsmittel Risiken?

Richtig angewendet, in den empfohlenen Dosen, sind sie in der Regel sicher. Risiken entstehen vor allem bei Überdosierung, bei der Anhäufung mehrerer Produkte, die sich überschneiden, oder bei Wechselwirkungen mit einer medizinischen Behandlung. Bestimmte fettlösliche Vitamine, wie Vitamin D oder Vitamin A, können sich in hohen Dosen anreichern. Der richtige Reflex: die Dosen einhalten, unnötige Kombinationen vermeiden und einen Arzt oder Apotheker um Rat fragen, wenn Sie eine Behandlung erhalten.

Quellen und Referenzen (auf PubMed geprüft)

10 Quellen
  1. Cashman K.D. (2022). Global differences in vitamin D status and dietary intake: a review of the data. — Endocrine Connections — weltweite Übersicht; Vitamin-D-Zufuhr in den meisten Ländern weitgehend unzureichend, moderate Prävalenz in Europa
  2. Christoph P. et al. (2020). High prevalence of severe vitamin D deficiency during the first trimester in pregnant women in Switzerland. — Swiss Medical Weekly — Schweizer Studie; Schätzung von 40 bis 50 % der Bevölkerung mit Vitamin-D-Mangel, ausgeprägter saisonaler Effekt im Winter
  3. Herter-Aeberli I. et al. (2020). Inadequate Status and Low Awareness of Folate in Switzerland. — Nutrients — unzureichender Folatstatus bei fast jeder fünften Schweizer Frau im gebärfähigen Alter
  4. Jensen C.F. (2023). Vitamin B12 levels in children and adolescents on plant-based diets: a systematic review and meta-analysis. — Nutrition Reviews — deutlich niedrigere B12-Werte bei veganer Ernährung; Mangelrisiko ohne Supplementierung
  5. Dinu M. et al. (2024). Effects of omega-3 fatty acids on coronary revascularization and cardiovascular events: a meta-analysis. — European Journal of Preventive Cardiology — Meta-Analyse (18 Studien, mehr als 130 000 Teilnehmende); bescheidene Senkung kardialer Ereignisse
  6. Huang L. et al. (2023). Effect of Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acids on Cardiovascular Outcomes in Patients with Diabetes: A Meta-analysis. — Advances in Nutrition — Meta-Analyse bei Menschen mit Diabetes; Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos, vor allem mit EPA
  7. Wastyk H.C. et al. (2021). Gut-microbiota-targeted diets modulate human immune status. — Cell — randomisierte Studie; eine an fermentierten Lebensmitteln reiche Ernährung erhöht die Vielfalt des Mikrobioms und senkt Entzündungsmarker
  8. Yeung L.K. et al. (2023). Multivitamin Supplementation Improves Memory in Older Adults: A Randomized Clinical Trial. — American Journal of Clinical Nutrition — COSMOS-Web-Studie (3 562 Senioren); bescheidene Verbesserung des Gedächtnisses vs. Placebo
  9. Vyas C.M. et al. (2024). Effect of multivitamin-mineral supplementation on cognitive function (COSMOS) and meta-analysis. — American Journal of Clinical Nutrition — Meta-Analyse der COSMOS-Teilstudien; bescheidener Nutzen für die globale Kognition und das Gedächtnis
  10. Garrison S.R. et al. (2020). Magnesium for skeletal muscle cramps. — Cochrane Database of Systematic Reviews — systematische Übersicht; kein klinisch nützlicher Vorteil von Magnesium bei Krämpfen bei Erwachsenen, ausserhalb eines Mangels

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